
Autor:
Daniel B. Peterlunger
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Neu, aber auf alt getrimmt – das ist der stilvolle Mekong-Cruiser „Jayavarman“. Mit ihm kann man auf dem großen Strom von Südvietnam bis vor die Tore Angkor Wats schippern. Unser Autro Daniel B. Peterlunger hat es ausprobiert – und sehr genossen. Genießen Sie ebenfalls – seinen Reisebericht.
Südlich von Ho Chi Minh City, in My Tho, liegt die nach dem Gründer der Khmer benannte „Jayavarman“. Der Architekt habe sich vom Ocean-Liner „Normandie“ inspirieren lassen, heißt es. Einem Schiff, das 1930 jenen entspannten Luxus versprach und hielt, den sich die Elite der französischen Kolonialisten auch gern in Asien gönnte – bis sie rausgeschmissen wurde.
Trotz der Leiden unter der Fremdherrschaft sind es jetzt Vietnamesen, die den Kolonialstil im Schiffsbau als touristischen Nostalgiewert erfolgreich reanimieren. Zuständig für Schiffshotel- und Restaurantbetrieb ist eine junge kambodschanische Mannschaft, die alle Passagiere mit ihrem Charme überwältigt.
Und auch die vietnamesische Schiffscrew ist, wie die meisten Vietnamesen, nicht nachtragend. „Schließlich haben wir alle Kriege gewonnen“, sagt lächelnd Tuong, dessen Vater im letzten kämpfte.
Auf der Brücke steckt der Erste Offizier drei brennende Räucherstäbchen in den buddhistischen Hausaltar und verneigt sich murmelnd, derweil der Steuermann konzentriert mit dem Holzrad hantiert, um den vielen kleinen Reisbarken auszuweichen. Auf der Brücke ist es dunkel. Ganz anders im klimatisierten Speisesaal im hinteren Teil des Schiffs: Dezentes Licht erhellt das edle Interieur, wo bunt uniformiertes Personal im Fünf-Sterne-Stil bedient.
Ein letzter Drink an der „Funnel Bar“ im Außenbereich mit Rundblick über das Heck – danach geht man schlafen. Die bequemen Kabinen, alle mit Balkon, Tischchen und Liegestühlen, sind konsequent im Kolonialstil gehalten. Auch das museale Telefon aus Bakelit auf dem Nachttisch und der Wecker.
Früh aufstehen wird belohnt: Schemenhaft tuckern Fischer- und Händlerboote vorbei. Sie durchqueren Schwaden aus Morgennebel, die über dem Mekong wabern. Schnell steigt die Sonne, heizt Land und Luft, macht die Sicht klar, die Schatten kürzer.
Vor dem Bug liegt Chau Doc: Hier ist der Fluss 300 Meter breit. Raum für Hunderte Boote aller Größen, die den Morgenmarkt bilden. Es wird nicht nur Gemüse und Fisch ver- und gekauft, es gibt auch größere Restaurantschiffe. Fliegende, besser gesagt schwimmende Händler und Garküchen bedienen Kunden und ziehen eine würzige Aromafahne hinter sich her.
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