InsiderTipps
Smaragdgrüne Gletscherwasser, steil aufragende Schneegipfel, ungezähmte Flüsse – und sexy Cowgirls. Ja, so schön kann die Natur sein. Insbesondere in Alberta. Lassen Sie sich von unserem Reisebericht betören.
Die Grenze zwischen British Columbia und Alberta präsentiert sich in Blau-Weiß. Blau ist der Himmel und weiß das Eis des Columbia Glacier, eines der größten Gletschergebiete in den Rocky Mountains.
Der Icefields Parkway, die Traumstraße des kanadischen Westens von Lake Louis im Süden nach Jasper im Norden, führt unmittelbar an der Gletscherzunge vorbei und markiert so einen spektakulären Übergang von British Columbia nach Alberta.
Die 240 Kilometer sind gesäumt von smaragdgrünen Seen, schneebedeckten 3000er Gipfeln, endlosen Kiefernwäldern und Gletschern, unübersehbar aber auch der nie abreißende Strom von Wohnmobilen. Doch wer nachts den Kopf aus dem Blockhaus hält, hört die Wölfe heulen.
„Wenn ihr noch mal müsst, bevor wir in See stechen“, erteilt Krystle, durch Stimmstärke, Helm und übergroße Paddel als Anführerin der unerschrockenen Rafting-Rotte ausgewiesen, letzte Anweisungen: „dann geht da drüben auf die Toilette.“ Pause. „Because there is no p in wetsuit.“
Schönes Wortspiel: Im englischen Wort für den Gummi-Strampelanzug, in den sich alle wegen des kalten Wassers gezwängt haben, taucht der Buchstabe „p“ nicht auf – aber gesprochen klingt das wie „pee“, und das heißt Pipi.
Krystle hat als diplomierte Politikwissenschaftlerin das Kommunikations-Einmaleins drauf. Sie weiß auch, wie man die Botschaft „Wir sitzen alle in einem Boot“ praktisch so umsetzt, dass alle in etwa die gleiche Richtung beim Paddeln finden und möglichst selten in den Kananaskis River fallen. „Da muss ich bei unseren amerikanischen Nachbarn aufpassen, die sind so dick, die kippen schnell mit dem Floß um.“
Kanada und USA, das ist nicht dasselbe – es gibt gewichtige Unterschiede. Tatsächlich sieht man im kanadischen Straßenbild weniger Menschen mit Übergewicht als jenseits der Grenze. Über die Tour selbst gibt es nicht viel zu berichten, ein bisschen harmlos. Wer dort raften will, wo einem das eisige, weiße Wasser kalt ans Herz fasst, der greift besser am Kicking Horse River in den Rocky Mountains zwischen Golden und Lake Louise zum Paddel.
„In Schweiß ist noch niemand ertrunken“ mahnt ein liebevoll gemaltes Schild in der Blockbohlen-Lobby der benachbarten „Rafter Six Ranch“. Das ist Cowboyland. Hier wird noch richtig in die Hände gespuckt, Steaks sind gefälligst 12 Unzen (340 Gramm) schwer, der Hut wird höchstens zum Gebet abgenommen, der Holzboden bebt, wenn die Absätze der Cowboy-Boots knallen, und alles dreht sich ums Reiten. Klischee? Wahrheit!
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