
Autor:
Olivier Geissler
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Porträt Montréal und Ville de Québec Savoir-Vivre und historisches Flair
InsiderTipps
Für Outdoor-Freaks hat Quebec viel zu bieten: Auf Indianerart mit dem Kanu über die nördlichen Quebecs. Mit dem Sea-Kajak durch den majestätischen Saguenay-Fjord. Zu Fuß durch die bunten Wälder zum St.-Lawrence-Strom. Walgesänge und erfrorene Finger sowie abenteuerlichen Reisebericht inklusive.
Vor uns stehen drei selbst gebaute Blockhütten, das Holzgerüst eines länglichen indianischen Longhouse und zwei klapprige Pick-up-Trucks mit Kanus auf den Dächern. Rundherum wachsen Birken, Fichten, Tannen. Hinter einem Abhang funkelt die Wasseroberfläche eines Sees. Wir befinden uns nahe Chicoutimi in einem Indianercamp in der Wildnis Quebecs. Es ist Anfang Oktober. Die herbstliche Laubverfärbung hat noch nicht begonnen. Nur vereinzelt knallen rote oder gelbe Farbtupfer aus dem Einheitsgrün der Wälder.
Unser Gastgeber der Montagnais-Indianer Gordon Moar erzählt uns von seiner Vergangenheit als Fallensteller und Felljäger, vom Einfluss der schwarzen Schamanen, wie die christlichen Priester ihrer schwarzen Roben wegen von den Indianern genannt wurden. Und er erzählt vom Versuch, die verloren gegangenen Bräuche und Traditionen der Vorväter zu bewahren. Zumindest bei der Namensgebung ist es damit zu spät. Kaum ein Indianer erinnert sich nach der Zwangstaufe durch die mächtige christliche Kirche Quebecs an seinen ursprünglichen Namen. Indianer wie Gordon heißen nicht mehr Nagender Biber oder Mächtiger Bär. Sie fahren Pick-up-Trucks und haben einen Generator mit Wasserpumpe hinter dem Blockhaus, aber sie haben weder ihre Wurzeln vergessen noch ihre Naturkenntnisse verlernt. Als Kanuguide über die Wasserwege des Naturreservats Ashuapmushuan ist Gordon mit Sicherheit unübertroffen.
Die Wasseroberfläche des Lac Hopi ist spiegelglatt. Vorsichtig stoßen wir uns vom Strand ab und paddeln auf eine kleine bewaldete Insel zu. Geduldig versucht Gordon, uns die Geheimnisse des lautlosen Pirschpaddelns zu vermitteln. Mit mäßigem Erfolg. Die am Inselrand sitzenden Rebhühner nehmen bei meinem ersten "lautlosen" Paddelschlag Reißaus und verschwinden flatternd im Unterholz. Gordon schüttelt den Kopf und grinst in sich hinein. Er bedeutet mir, das Paddel aus dem Wasser zu nehmen, und beginnt mit einer kleinen Demonstration indianischen Anschleichens. Plötzlich gleiten wir lautlos über die Oberfläche, hinein in ein Schilf- und Gräsermeer. Die einzige Spur, die wir hinterlassen, sind kleine Wasserstrudel. Zu hören sind nur einige Wildgänse, die laut schnatternd in Richtung Afrika vorbeifliegen. Ab und zu knallt ein Schuss. Es ist Elch-Jagdsaison. Aber für den entrüsteten Blick seines Paddelschülers hat Gordon nur ein spöttisches Grinsen übrig. Na klar, ich vergaß: Er war ja selbst mal Jäger und Fallensteller.
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