
Autor:
Dirk Rohrbach
Der 3.000 Kilometer lange Yukon River steht für Abenteuer pur. Vor allem, wenn man ihn – wie unser Reporter Dirk Rohrbach – in einem aus Birkenrinde selbst gebauten Kanu bezwingt. Mit am härtesten aber war die Bezwingung der stürmischen Quellseen.
Raus! Ich muss sofort raus! Das Kanu füllt sich bei jeder Welle literweise mit Wasser. Es liegt schon bedrohlich tief im See. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich kentern werde. Fieberhaft suche ich das Ufer ab. Wo kann ich anlagen?
Überall nur zentnerschwere Felsbrocken und kantige Steine, die die Birkenrindenhaut des Kanus zerfetzen würden. Was für eine Zwickmühle! Lande ich an, verliere ich mein Kanu, Reparatur aussichtslos. Bleibe ich auf dem Wasser, ist es bald vollgelaufen und ich saufe ab. Also springe ich aus dem Kanu in den kalten See. Vielleicht kann ich das Boot erfolgreich vom Ufer fernhalten.
Das Wasser reicht mir bis zur Brust, ich stolpere über die glitschigen Steine und Felsbrocken auf dem Grund. So kämpfe ich mich durch hohe Wellen das Ufer entlang, in der Hoffnung noch eine passable Stelle zum Anlanden zu finden. Keine Chance, das Ufer bleibt gefährlich schroff und abweisend. Über eine halbe Stunde kämpfe ich nun schon im klaten Wasser, es droht Unterkühlung.
Mit jeder weiteren Minute in der zermürbenden Brandung sinken meine Hoffnungen und mein Wille. Unkontrolliert zittere ich am ganzen Körper, meine Zähne klappern. Als die Wellen für einen kurzen Moment nachlassen, drehe ich das Kanu gegen den Wind, ziehe mich mit einem Schwung hinein und rutsche zurück auf die getränkten Packsäcke. Um für Wärme zu sorgen steche ich das Paddel im Stakkatorhythmus ins Wasser. Weil das Boot nun noch tiefer liegt, muss ich die Wellen frontal schneiden, um nicht zu kentern.
Das bedeutete aber auch, erstmal weg vom Ufer, raus auf den See und rein ins tiefe, brodelnde Wasser und den Sturm, der jetzt von vorne blies und zusätzlich bremste. Nach einer Stunde zeichnet sich am Horizont eine Bucht ab, die sich nach rechts zu einem Durchlass verengt, der später im Taku Arm des Tagish Lake mündete. Das Ufer dort ist flacher, ohne Felsen und Steine: meine Chance!
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Zur Person
Dr. Dirk Rohrbach, 1968 in Hanau geboren, ist Mediziner, arbeitet aber heute hauptberuflich als Journalist. Neben seinen Vorträgen ist er als Hörfunkmoderator beim Bayerischen Rundfunk (Bayern 3) und als Sprecher für verschiedene TV-Formate tätig. Der Fotograf und Amerika-Experte gründete 2003 mit Peter Hinz-Rosin den Verein Tatanka Oyate zur Unterstützung indigener Völker, für den sie im selben Jahr in Frankfurt mit dem Weitsicht-Preis für Menschenrechte ausgezeichnet wurden.
Seine Erlebnisse und Begegnungen am Yukon schildert Rohrbach in seinem Buch “YUKON – 3.000 Kilometer im Kanu durch Kanada und Alaska”, erschienen bei Malik Verlag/National Geographic, 304 S., 14,99 €.
Im Winter 2011/2012 tourt Dirk durch mehr als 60 deutsche Städte und zeigt seine neue Yukon-Reportage. Infos und Tourdaten:
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