
Autor:
Frank Tophoven
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Diese Stadt im Süden, die sei "tierra caliente" – heiße Erde – sagen die Kubaner. Und sie verdrehen dabei genießerisch die Augen. Als heimliche Hauptstadt wird Santiago manchmal auch bezeichnet. Dieser Bericht zeigt: Die zweitgrößte Stadt Kubas ist von allen Städten die afrikanischste.
Die Menschen sind dunkler, temperamentvoller, lasziver. In Santiago brennt der Asphalt, drängeln sich im Zentrum die Bars. Salsa, Son und Rumba dröhnen aus Fenstern und Türen. Es ist die Hauptstadt von Musik und Tanz, die Hauptstadt der Nacht.
Eh, Schöner, lädst du mich ein?" Eine Menschentraube umlagert in der Calle Heredia die "Casa de la Trova". Einen Dollar kostet der Eintritt, für viele Kubaner ist das zu viel. So bleibt nur die Hoffnung, dass einer der Touristen einen Grünen springen lässt und den Eintritt bezahlt. Drinnen ist die Luft zum Schneiden, der kleine Saal ist zum Bersten voll.
Addiert man das Alter der drei Musiker, denen die Aufmerksamkeit gilt, kommt man auf weit über 200 Jahre. Manch einer der Tänzer, die über die handtuchgroße Fläche vor der Bühne gleiten, ist auch nicht jünger als die Jungs von der Band. Natürlich haben ausgerechnet diese Alten nicht nur die schönsten, sondern auch noch verdammt junge Partnerinnen. Na ja, wenn man sie tanzen sieht, weiß man warum. Als ob sie nie etwas anderes gemacht hätten. Und man erkennt sehr schnell, dass wir Europäer niemals so tanzen lernen.
Spätestens seit Wim Wenders' "Buena Vista Social Club" ist Kubas Musik ziemlich angesagt. Die Welt feiert den Son, eine Musik, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts erfunden wurde. Natürlich in Santiago. Und wenn nicht direkt in Santiago, dann auf jeden Fall im Oriente, im Osten Kubas. Mulattenmusik nannte man den Son, weil er aus "schwarzen" (afrikanischen) Rhythmen und "weißem" (spanischem) Gitarren-Sound und Texten bestand. Eine Musik der Schwarzen wie der Weißen. Die meisten der heute erfolgreichen Musiker haben ihre Karriere in Santiago begonnen. Und irgendwann haben sie fast alle mal in der "Casa de la Trova" gespielt.
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