Stopover in Havanna
Streifzug durch die Altstadt
Havanna alias La Habana besteht aus dem Optimismus von zwei Millionen Habaneros. La Habana Vieja, die Altstadt, beginnt am Hafen.
Gassen und Plätze, Hütten und Paläste - Erinnerungen an koloniale Herrlichkeit, im letzten Moment mit Unesco-Geldern saniert und dem Haifischrachen der Zeit entrissen. Die Straße am Hafen geht in den Malecón über. Im weiten Bogen führt dieser mehrspurige Boulevard am Meer entlang. Am Beginn der einstigen Prachtstraße strahlen restaurierte Häuser wie Jungpioniere bei der Jugendweihe. Dahinter breitet sich Centro Habana aus - ein ganzer Stadtteil auf der Kippe zwischen der lustvollen Anarchie des Verfalls und der Trostlosigkeit völliger Zerstörung. Welche Chance haben die Handwerker und die von ständigen Geldnöten geplagte kubanische Regierung im Kampf gegen die Vergänglichkeit?
Die meisten Habaneros verbringen ihre Freizeit in den Straßen. Seifenopern, Dramen und Komödien. Sieben Tage die Woche spielt in den Straßen der monumentale Film "Kuba", aus dem Regisseure von Zeit zu Zeit Bruchstücke auf unsere Kinoleinwände bringen. Männer schrauben an schrott- wie museumsreifen Oldtimern. Unter ihren Lockenwicklern flirten dicke Frauen mit jungen Polizisten, während Schwarzmarkthändler Deckung suchen. Die Alten sitzen beieinander, schwafeln immer noch von Ché Guevara und von ihren letzten weiblichen Eroberungen.
Josés "Wohnzimmer" ist der Parque Central, vor Teatro Lorca und Capitolio. Die Gebäude um den Parque Central sind restauriert oder man arbeitet daran. Dort wird flaniert und eröffnen immer mehr Konsumtempel, die dollarstarke Touristen den sozialistischen Alltag vergessen lassen. Auch die Geschichten Josés entziehen sich diesem Alltag. José war Lehrer, doch das ist lange her, so lange, dass er noch Havannas wilde Zeiten erleben konnte. Er erzählt von den Bars, in denen Hemingway zechte, den Hotels, die Mafiagrößen gehörten und in denen diese ihre rauschenden Nächte zelebrierten.
Havanna besteht aus einer unverwüstlichen Lust am Leben, mit der die Löcher in den Sohlen und im Etat gestopft werden. Tag und Nacht ziehen Musikanten durch die Straßen. Vor allem bei den Liebespaaren bleiben sie stehen. Kuba, das ist Musik und Leben für den Augenblick, eine Sternennacht auf dem Malecón, Liebe, Poesie und Küsse, während der Wind die salzige Gischt über den Boulevard treibt.
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