Vom Luang Prabang über die rätselhafte Tempelstadt Wat Phou, das 4.000-Insel-Reich des Mekong und das weltberühmte Angkor Wat nach Phnom Peng und weiter ins Delta des großen, langen Flusses. Schöner und bunter kann man den Zauber Südostasiens nicht erleben. Lesen Sie unseren Reisebericht.
Neue Mönche kehren gut. Die Besen, die sie dabei schwingen, tun das erst recht. Gelbe Blätter wirbeln vor den Novizen auf. Dann rascheln hellgrüne Laub-Herzen eines Bodhibaums im Sand des Klosterhofs. Weil eine leichte Brise mitfegt, torkeln einige davon gleich weiter, die Böschung hinunter zum Fluss, wo sie sachte landen und davontreiben.
Doch nur die Ruhe. Zu den stillen Ufern und der langen Reise des Mekong kommen wir gleich. Auch zum sandigen Streifen, an dem die Jungen des Königsstädtchens Luang Prabang ihre morgendliche Partie Boule spielen, die glänzende Metallkugel-Meditation der Franzosen. Sogar hier kann man das Scharren der Besen noch hören, und das Kichern der jungen Mönche. Hell klingt es, und frisch wie die Bambusstauden neben dem schmalen Weg.
Die ganze Welt sei „Maya“, also Zerrbild und Illusion, lehrt Buddha. Im Falle von Luang Prabang, Laos’ schönster Tempelstadt, hatte man diesen Verdacht ohnehin. Sie ist zu schön, um wahr zu sein. Der Staub, den der leise Wind von den trockenen Hügeln herüber bläst, ist es folglich auch. Und so scheinen ihn die jungen Mönche soeben auf Augenhöhe zu bekämpfen. Auf Augenhöhe, das heißt in diesem Fall: spielerisch und leicht.
Der Besen ist plötzlich auch Jonglierstab, Fluggerät, Cricketschläger, Dirigentenstock. An klösterliche Zucht erinnern die Faxen der Jungen nicht. Eher an das Märchen vom Sterntaler-Kind. Etwa wenn sie die orangefarbenen Kutten vorne schürzen, damit die frisch gepflückten Früchte von der Baumkrone direkt in die Schöße purzeln. Soviel Spielerei darf schon sein im Leben der jungen Mönche, die hier für ein paar Jahre eine Ausbildung genießen, die sie später zum Traum aller laotischen Schwiegermütter machen wird.
Klar: Einige werden in den Wats auch hängen bleiben, die Tradition weiterführen. Aber der Großteil der Jungen absolviert eine Art Benimm-Kurs, tritt bald wieder aus. Ein Zipfel Nirwana und etwas Wat-Knigge, so wird man in Laos zum Gent.
Saravan kommt aus einem Kaff, das sich hinter den fahlgelben Hügeln verbirgt. So weit entfernt, dass die Tanten des jungen Mönchs beim ersten Besuch die Hände über dem Kopf zusammenschlugen, erzählt er mir. Weniger wegen der bis zum Nacken erweiterten Rasur. Kahles Glänzen dieser Art sieht man in Laos auf Schrifft und Tritt.
Aber die glitzernde Pracht und atemberaubende Dichte an Tempeln sind auch im malerischen Norden des Landes einzigartig. 40 Wats auf engstem Raum, dazu perlmuttfarbene Frangipaniblüten, und Bistros inmitten intakter traditioneller Hozarchitektur. Das hat Luang Prabang den Ruf von Bijoux-Buddhismus eingetragen. Manche Bauten stechen trotzdem heraus: Der Wat Xieng Thong aus dem Jahr 1560 etwa, einer von zwei Tempeln, die den Überfall der chinesischen Ho 1887 unversehrt überstanden hatten.
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