
Autor:
Cornelia Gerlach
InsiderTipps
Wer diese Insel im westlichen Indischen Ozean besucht, will in erster Linie Tiere und Pflanzen sehen, die es sonst nirgends auf der Welt gibt. Sicher ist auch, dass man vom afrikanisch-karibischen Lebensgefühl infiziert wird.
Mittags setzt die Thermik ein, heiße Luft steigt auf, der Wind wird frischer, die Boote schaukeln, man könnte baden oder schnorcheln, Rad fahren, zum Segeln gehen. Man kann es aber auch lassen. Und sich dem Moramora hingeben, dem Lebensgefühl der Madagassen. Moramora heißt übersetzt: immer mit der Ruhe. Fianarantsoa, im Hochland. Die Uhr am Bahnhof zeigt fünf Minuten vor sieben. Um sieben geht der Zug – wir rennen. Auf der Uhr, die da hängt, ist es erst Viertel vor. „Reg dich ab“, sagt Noel, unser madagassischer Begleiter, „bei so einer Reise kommt es auf ein paar Minuten doch nicht an.“
Wir schlendern über den Bahnhof, kaufen Verpflegung, sehen den Leuten beim Beladen der Waggons zu. Es sind kleine gelb-grüne Schmalspurwaggons, die früher einmal in den Schweizer Bergen fuhren, erste Klasse, gepolsterte Sitze, dann die zweite, die Barfußklasse.
Die Eisenbahn, gebaut in den 30er Jahren, verbindet die Verwaltungsstadt Fianarantsoa mit der Hafenstadt Manakara. 163,2 Kilometer. Das dauert laut Fahrplan acht bis zwölf Stunden. Pakete, Bündel, ein paar Hühner werden durch die Fenster gereicht, eine Mutter schiebt ihren Sohn hinterher, eine Händlerin verkauft Getränke. Vorn ins Gepäckabteil laden Männer Kisten mit Medikamenten, Säcke mit Reis, Kühltaschen, Körbe, ein Fahrrad.
Videobeitrag (auf franz.) mit Impressionen aus dem Süden Madagaskars
Wir reisen bis Tolongoina, exakt 62,38 Kilometer. Die Fahrt erster Klasse kostet umgerechnet 1,70 Euro. Wann wir das Ziel erreichten? Keine Ahnung. Ich vergaß die Zeit, sie spielte keine Rolle mehr: aussteigen, über den Bahnhof schlendern, Leute gucken, die Bananenträger mit ihren bildschönen eisenharten Muskeln; die Frau, die ihren Mann beschimpft, und alle ringsum applaudieren. Wir lachen, plaudern, sind eine kleine Sensation, denn abseits der Hotels sind Europäer im Regenwald selten. Ein Pfiff. Der Zug rollt an, wir aber fahren in den Nationalpark von Ranomafana mit einem Auto weiter.
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