
Autor:
Sibylle Gerlinger
Unschuldig wie die Malediven vor 30 Jahren! Der Norden Borneos ist ein Paradies für Naturliebhaber. Sowohl unter als auch über Wasser kommen Entdecker garantiert voll auf ihre Kosten. Lesen Sie den Reisebericht unserer Reporter.
Hell scheinen die Lichter des "Royal Mulu Resort" durch die umstehenden Bäume, als wäre abends Jahrmarkt im Urwald. Der Himmel ist bereits tintenblau, die Dämmerung lässt sich bekanntlich nicht viel Zeit in Äquatornähe. Mr. Lee strahlt. Bereits auf dem Flug hierher hatte er - Typ Bürohengst mit gehobenem Dienstgrad - mir voller Stolz von den Besonderheiten des Mulu-Nationalparks vorgeschwärmt.
Von Kannenpflanzen und Riesenblumen, Makaken und Zwerghirschen hat er erzählt und nicht zuletzt von den hiesigen Sportmöglichkeiten - Biking, Kayaking, Rafting oder Canoeing, um nur einige zu nennen. Wie viele reiche Malaysier will auch Mr. Lee seinen Abenteuerdurst stillen, ohne auf den Komfort von vier Sternen in der Lodge verzichten zu müssen.
Deren Architekt hatte immerhin die Chuzpe, im Regenwald am Ufer des Melinau River eine Luxusbleibe zu installieren und den gesamten Komplex auf drei Meter hohe Stelzen zu stellen, Pool inklusive. So bleibt die Anlage trocken, wenn der Fluss mal überläuft. Lobby, Restaurant und Souvenirshop bilden das Zentrum. Die geräumigen Zimmer reichen weit in den Primärregenwald hinein.
Die Existenz dieses Luxusresorts ist typisch für die Widersprüchlichkeit des gesamten Landes. Tradition und Moderne, Steinzeit und High Tech prallen überall nahezu ungebremst aufeinander. Während sich die Gäste im Hotel an den Errungenschaften des 21. Jahrhunderts erfreuen können, leben nur ein paar Meter dschungeleinwärts die Angehörigen der Iban noch immer in ihren angestammten Langhäusern. Die Galanummer im Park aber sind die Mulu Caves, eines der größten zusammenhängenden Höhlensysteme der Welt. Kaum ein Rucksacktourist auf Globetrott, der sich die Showcaves entgehen ließe. Der Höhleneingang der Deer Cave nötigt uns Respekt ab.
120 Meter hoch und mit moosbewachsenen Stalaktiten und Stalagmiten besetzt, das gähnende Maul eines versteinerten Riesen. Rund fünf Millionen Fledermäuse leben darin. Der Lärm schwirrender Flügelschläge erfüllt die Luft, die bestialisch stinkt. Mr. Lee ist im Bild. "Jedes Tier wird im Laufe der Nacht etwa zehn Gramm Insekten vertilgen und fast komplett wieder ausscheiden", informiert er uns stolz. "Mist", denke ich beim Anblick des Gewimmels aus Ohrwürmern und anderen Igittigitts am Boden der Höhle.
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