
Autor:
Marcus Pfeil
InsiderTipps
In der Regenzeit zehn Tage durch Malaysias Dschungel fahren, durch Schlamm, Modder und Flüsse? Reporter Marcus Pfeil und Fotograf Craig Pusey hatten das Vergnügen ... In ihrem Reisebericht schildern sie die härteste Tagesetappe.
Wir sind spät dran. Der Dschungel gibt in der Dunkelheit das Dorf der Semai nur noch schemenhaft preis. Der Häuptling schläft schon. Trotzdem laden wir eine halbe Tonne Reis auf seinem Dorfplatz ab. Als Zeichen der Gastfreundschaft. Schließlich wollen wir uns nichts vorwerfen lassen.
Der Konvoi muss noch durch das Reservat der malaysischen Ureinwohner. Die Einheimischen drängen sich um uns. Sie schauen uns an, als ob sie ganz und gar nicht verstünden, warum wir uns bei strömendem Regen in der Nacht im Auto durch den Dschungel quälen.
Aber es sind ja nur noch ein paar Kilometer, bis dieser Tag der Land Rover Experience Tour zu Ende geht. Ein Abenteuer, das Freunde des Allradantriebs per Katalog buchen können. Ein Abenteuer, das einem das Gefühl vermitteln soll, dass es die legendäre Camel Trophy trotz Zigarettenwerbeverbot noch immer gibt.
Zehn Tage führt unsere Reise durch den Dschungel Malaysias. Über 1.000 Kilometer liegen zwischen Langkawi an der Westküste und Terengganu an der Ostküste. Der Weg ist dabei natürlich das Ziel und den dürfen wir mit einem GPS-Gerät suchen. Die Orientierungspunkte hat Dag Rogge verteilt. Er organisiert die Ausfahrt durch den Regenwald und ist so etwas wie unser Häuptling.
Nummer 220 ist der letzte Wegpunkt für heute – 5° 25’ 48,64’’ nördliche Breite, 101° 07’ 47,08’’ östliche Länge. Dort soll das Camp liegen. Nicht mehr weit soll es sein – eigentlich. Hätten wir für die letzten sechs Kilometer nicht acht Stunden gebraucht.
Das Dorf der Semai hat keinen GPS-Punkt, auf der Karte ist nur die Tankstelle, an der wir den Reis gekauft haben, eingetragen. Dabei ist es einer der wenigen Orte auf dieser Reise, an dem wir Menschen treffen.
Die Semai sind einer von drei Orang-Asli-Stämmen, den „ursprünglichen Menschen“ Malaysias. 60.000 der 23 Millionen Einwohner des Landes sind Orang Asli. Das Nomadenvolk zieht durch den Tieflanddschungel und lässt immer dann das Zuhause hinter sich, wenn einer der ihren gestorben ist. Der Ort ist dann verflucht, glauben sie. Seit 15.000 Jahren geht das schon so.
Aber jetzt will die Regierung sie zum Bleiben erziehen, damit sie nicht überall im Dschungel Holz schlagen. Das will die Regierung lieber selber machen. Eine Weltreligion sollen die Orang natürlich auch haben, aber nicht mehr die christliche. Die frühere aktive Missionarsarbeit hat die Regierung verboten, nur noch islamische Missionare dürfen offiziell in die Dörfer. Vor allem aber sollen die Orang Asli Palmöl anbauen.
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