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InsiderTipps
Es gibt unzählige Reportagen über die schönsten Inseln der Malediven. Wobei Insel dabei immer Hotelinsel meint. Mit Over Water Bungalows, Underwater Restaurants, Beach Dinner und Mega-Spa. Wir wollten mal wissen, wie es auf den anderen Inseln zu geht, den 200 bewohnten Local Islands. Wie der Alltag der Malediver aussieht. Mit breitem Lachen statt ständigem Dienstleister-Lächeln.
Gehört wohl zum guten Yogi-Ton, was soll der Meister auch sonst sagen zwischen Sonnengruß und anderen schmerzhaften Verrenkungen? „Höre das Wasser, rieche die Erde, spüre die Luft, fühle die Hitze des Feuers und nimm die Weite des Raumes über dir wahr!“
Was aber, wenn es dieses eine Mal einfach wahr wäre? Von links wärmt die rote Morgensonne, vor ein paar Minuten über dem Wasser aufgegangen, rechts schmeichelt und streichelt ein angenehmer Tropenwind, ganz leise und rhythmisch schwappen kleine Wellen auf den weißen Sand, der von Muscheln und Korallen gesäumt ist, fast alles um uns herum ist Raum, 360 Grad Horizont, nichts als unendlicher, unermesslicher Raum darüber. Nur die Erde, das sei zugegeben, will sich nicht riechen lassen. Könnte auch daran liegen, dass es davon genau hier nur sehr, sehr wenig gibt.
Um fünf erwartete Yogalehrer Anand Mamgain mich am Steg. Mit dem Boot hinaus auf den Indischen Ozean, in die Dunkelheit, im Osten ahnten wir erstes Morgenlicht. Nach 20 Minuten schält sich ein heller Fleck aus der Dämmerung, eine Sandbank. Hose hochkrempeln, durchs seichte, warme Wasser waten. An Land, oder wie man das nennen soll, lassen sich vielleicht 20 Schritte gehen, bevor man wieder im Meer landet. Reicht gerade für zwei große, weiße Handtücher. Auf die Ränder häufelt Anand achtsam etwas feuchten Sand: „Beim Yoga geht es um die Balance der Elemente – zuviel Luft: Die Handtücher fliegen weg. Etwas mehr Erde: Die Handtücher bleiben liegen.“
Dass man auf einer Malediven-Sandbank Yoga machen kann, wusste der 29jährige Nordinder nicht, der am Fuße des Himalaya zuhause ist. Bis er den Ruf nach „Baros“ erhielt, eine Resort-Insel im Nord-Male-Atoll. Das ist ein Paradies des leisen Luxus, keine Celebrities, kein Klunker-Schaulaufen, keine Animation, keine laute Musik, nicht mal motorisierter Wassersport ist erlaubt. Vor 40 Jahren als zweite Hotelinsel überhaupt im maledivischen Archipel gegründet, hat die Insel sich nach vielerlei Metamorphosen ihren romantischen, unaufdringlichen, ruhigen Charme bewahrt. Wer hier Erholung sucht, meist sind es Mitteleuropäer und mehr als 150 Gäste nie, verfügt über stattliche finanzielle Ressourcen, macht darum kein Aufhebens und grüßt beim Frühstück höflich.
Meine Herberge nennt sich „DeLuxe Villa“, das ist, dem Namen zum Trotz, die Billig-Variante. Da hat´s nicht mal zum Dach über dem Badezimmer gereicht. Stattdessen bahnt man sich den Weg zur Dusche durch einen kleinen Palmengarten, aus der Badewanne schaut man in die Sterne und träumt. Gestern Morgen, ewig lange her, lag da nicht noch Schnee in Dortmund? Und gestern Abend, auch schon weit weg und fast noch unwirklicher: Als ich aus dem Flughafengebäude von Male trat und nach einem Taxi Ausschau hielt, war da keins. Nur ein Boot. Eine Minute und 100 Meter hinterm Gepäckband. Jemand reichte mir einen kühlen, feuchten Lappen, ein Glas mit Champagner, und das Boot entführte uns nach Baros. Es gab noch einige Neuankömmlinge, die mit diesem Das-glaube-ich-jetzt-nicht-Blick versuchten, innere und äußere Balance zu finden.
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