Unser Reisebericht führt Sie nach Essaouira. Die Hafenstadt im Südwesten Marokkos bezaubert ihre Besucher mit orientalischem Flair. Überschaubar und weltoffen, ist sie geradezu ideal für Marokko-Neulinge. Ihr historisches Zentrum europäischen Ursprungs zählt zum Unesco-Weltkulturerbe.
Give it to me!“ Popstar Madonna plärrt aus einem Radio-Lautsprecher irgendwo am Straßenrand, wird Schritte weiter übertönt von rhythmischen Gnaoua-Klängen, Sufi-Musik mit schwarzafrikanischen Wurzeln.
Wir haben die von einer alten Stadtmauer umgebene Medina Essaouiras betreten und schlendern durch die Rue Mohammed El Gorry. Die Straße säumen zweistöckige Gebäude: unten Geschäfte, darüber Wohnungen. Es herrscht geschäftiges Gedränge; Stimmen, Rufe und Musikfetzen liegen in der Luft.
In der bunten Menge sehen wir verschleierte Frauen und in Babuschen und Galabija – dem landestypischen Kapuzengewand – gewandete Männer ebenso wie modisch-saloppe Frauen und Männer in westlicher Kleidung. Wir begegnen Waren schleppenden Händlern wie kamerabehängten Touristen.
An uraltem Siedlungsplatz wurde Essaouira von Sultan Sidi Mohammed Ben Abdallah anno 1760 gegründet, heute kommt es als bunte Mischung aus portugiesischer und arabisch-berberischer Architektur daher. Eine Besonderheit ist die rechtwinklig angelegte Altstadt. Sie geht zurück auf den Franzosen Théodore Cornut – der sie als Gefangener entwerfen „durfte“.
Eine Frau quert unseren Weg, sie hält ein mit einem weißen Tuch bedecktes Tablett. „Da ist selbst gemachter Teig drauf – daraus lässt sie beim Bäcker Brot backen. Bei uns ist das so üblich“, erklärt Begleiter Abdallah. Viele Passanten schieben Handkarren. Die Karren kann man mieten, in den autofreien Gassen lassen sich so Einkäufe am besten transportieren.
Was eingangs erwähnte Sängerin braucht, kann ich nur vermuten, aber würde sie uns zum Suq Djedid, dem Herzen der Altstadt, begleiten, so könnte sie dort alle erdenklichen Waren finden. Seien es nun bodenlange weiße Hemden – wie Gespenster hängen sie auf Kleiderständern und versperren uns den Weg – oder, schräg gegenüber, rohes Schafsfleisch am Haken, das sich in Gestalt von Innereien, Kopf oder Haxen zum Kauf empfiehlt …
Aufgeregt flattern Hühner in einem Holzkäfig am Straßenrand. Als ich eine von Oliven, Tomaten, Auberginen und Bohnen überbordende Auslage fotografieren möchte, winkt der Gemüsehändler genervt ab. Sein Okay gibt bereitwillig der Gewürzhändler – stolz blickt er auf seine Kunstwerke:
zu Pyramiden aufgeschichtete exotische Gewürze. In kräftigem Rot, Gelb, Orange oder Ocker leuchten da Safran, Harissa und Co. Auf dem Fischmarkt einige Gassen weiter schlendern wir vorbei an frisch gefangenen Sardinen, Tintenfischen, Aalen und Garnelen.
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