InsiderTipps
Wal- und Delfinbeobachtungen gehören zu den großartigen Naturerlebnissen. Einzigartig ist das Ganze an Bord eines klassischen Segelschiffs. Reporter Andreas Hub (Text u. Fotos) ging mit der „Kairós“ auf die behutsame Suche nach den Stars der Meere. Wo? Zwischen Europa und Nordafrika, in der Straße von Gibraltar.
Wir sehen was, was du nicht siehst – und das sind die Delfine, die in deiner Bugwelle reiten. Du bist das riesige rote, grüne oder weiße und 300 Meter lange Ding, das beladen mit 10.000 Containern, vollgepumpt mit Öl oder mit 5.000 Kreuzfahrtgästen durch die Straße von Gibraltar pflügt. Unbeirrt, haushoch, ohne Sinn, ohne Blick für springende Delfine. Wir sind winzig im Vergleich, für ein Segelboot aber schon ganz schön groß: zwei Masten, 38 Meter.
„Die Kairós ist ein wunderschönes Schiff“, schwärmt Eigner Andreas Steidle-Sailer. Na, was soll er sonst auch sagen? „Ein wunderschönes Schiff“, loben die 18 Gäste unisono. Dann wird es stimmen. „Ein wunderschönes Schiff, toll zu segeln und für seine Größe ziemlich schnell“, wird Kapitän Ingo Martens schon etwas präziser. „Ein wunderschönes Schiff“, denkt der Autor, als er es abends im Hafen von Almeria zum ersten Mal sieht, erleuchtet von spanischem Vollmond.
Aber der Autor hat keine Ahnung von Schiffen und erst recht nicht vom Segeln. Das wird beim Briefing nach dem Willkommens-Champagner klar: Schuhe aus, sobald man an Bord kommt, wo die Rettungswesten liegen, wie die Drinks abgerechnet werden – und wie man diese auf keinen Fall entsorgt: „Nicht über die Reling pinkeln!“ Ist doch klar, denkt der Segel-Depp. Wäre eine Sauerei und es sind Damen an Bord. Da lachen die Segler unter uns, das sind die meisten: Die erleichternde stehende Tätigkeit gehört zu den höchsten Mann-über-Bord-Risiken.
Am nächsten Morgen begrüßt uns Kapitän Ingo in Jeans, T-Shirt und barfuß – von Uniform und Kapitänsmütze hält der 32-jährige Hamburger nichts. „Skipper and carpenter“ steht auf seiner Visitenkarte. „Hanseatisches Understatement“, lacht er. Es sei doch ganz praktisch an Bord, wenn der Kapitän zugleich Bootsbauer ist. „Wenn ihr segelt“, sagt er zu uns, „dann habt ihr euch für die Langsamkeit entschieden – meistens seid ihr mit dem Fahrrad schon schneller unterwegs. Wir haben viel Zeit hier an Bord.“
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