
Autor:
Jan Wilms
InsiderTipps
Unten lockt das blaue Meer, während oben felsige Bergeshöhen wie in alten Karl-May-Filmen hervorspitzen. Dazu Seafood und Wein, Skilifte und Ziegenkäse – so macht unser Reisebericht Appetit auf das montenegrinische Dolce Vita. Wir waren für Sie schon mal unterwegs
Schroff fällt das Seegebirge ins klare Wasser der Adria ab. Die saftigen Hänge des Rumija stehen voller duftender Olivenbäume, Palmen und voll leuchtend gelbem Ginster. Am Fuß des Bergs liegt eine kleine Bucht mit Kieselstrand, unberührt, sonnenbeschienen, verführerisch. „Hier verbringen wir im Sommer jedes Wochenende. Ein Boot, ein paar gute Freunde, dann tauchen wir nach Muscheln und Tintenfischen“, sagt Branimir, ein Kellner aus dem Küstenstädtchen Petrovac na Moru.
Am Morgen hat er angeboten, mir seine Lieblingsplätze zu zeigen. Nun, am Nachmittag, navigieren wir sein kleines Motorboot vorsichtig durch die seeigelbewachsenen Untiefen, dann rasselt der Anker auf den sandigen Grund. Die letzten Meter durch das nun flache, türkisfarbene Wasser werden geschwommen.
Was für ein Kontrast zu den staubigen Überlandstraßen! Diese unvermeidlichen Autoputs, die die Hauptstadt Podgorica mit den touristischen Attraktionen der Küste und der Berge verbinden. Und nur über dieses schlecht asphaltierte Nadelöhr des Jadranski Put geht es auch weiter zu den „greatest hits“ der montenegrinischen Küste.
Auf der Route liegt auch die Hotelstadt Becici mit ihrem 1939 zum schönsten Strand des Mittelmeers gewählten Kieselufer – das ist schon sehr lange her. Schließlich geht es hinein in das rasende Herz des Sommertourismus: laut, lauter, Budva – zum Glück nicht in der Vor- und Nachsaison.
Im milden Abendlicht vor den Mauern der alten Stadt treffe ich die hübsche Maja. Sie arbeitet als Fremdenführerin und kennt alle Daten und die Geschichte und Geschichten der restaurierten Kirchen und Paläste. Wir entscheiden, dass uns heute nur noch die Menükarte des „Konoba Stari Grad“ interessiert, und bestellen, mit den Füßen im Sand, gefüllten Pulpo, Meeresfrüchte-Risotto und einen kapitalen Seewolf. „Morgen zeige ich dir Mogren“, sagt sie über ihr Lieblingsfleckchen, den kleinen Stadtstrand von Budva nahe der Altstadt.
Am nächsten Tag führt der Weg über eine schmale, in die Felswand gehauene Trasse; die Gischt spritzt über die Uferwand, dann zeigt sich das erste von zwei Becken mit feinem Sand und einem bunten Kiosk. Zur zweiten Bucht von Mogren gelangt man nur über einen schmalen Steg in einem wellenumtosten Tunnel. Ein Balanceakt. Danach: Ruhe und Einsamkeit.
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