Myanmar alias Burma hat das Potenzial, in der Oberliga der Stranddestinationen mitzuspielen. Wir haben Teile der 2.832 Küstenkilometer und einige der über 1.000 Inseln besucht. Ein Reisebericht über Pionierland für Strandgänger.
Der Strand ist ein langes, schwarzes Band mit gelben Streifen. Er duftet nach nassem Asphalt, nach Spaß und nach sengender Hitze. Und: Strand ist überall! Er beginnt dort, wo du das Land betrittst. Gleich hinter den lila verklebten Scheiben des Airports etwa - und jetzt zieht er sich hinein in die Stadt Yangon und von dort in jede Richtung weiter, quer durch das von der Trockenzeit ausgedörrte Land.
Der Taxifahrer sagt "Happy New Year Water" und leert mir sonnig lächelnd Wasser ins Genick, einen Liter mindestens. Kühl und noch nicht einmal unangenehm rinnt es zwischen den Schulterblättern hinab, in die Hose hinein und unten an den Beinen wieder hinaus. Und das war erst der Anfang.
Das große Pritscheln, das Myanmar gerade erfasst hat und während dessen man das Land für einige Tage am besten in Badehosen bereist, gehört zum ausgelassensten Fest des Jahres: Thingyan heißt es - Neujahr. Und das bedeutet so viel wie Wasserfest. Die Duschen und Wasserfontänen kommen von überall her. In kleinen Spritzern oder gleich kübelweise. Von Dächern und aus Fenstern platschen und nieseln die Tropfen auf Yangons leer gespülte Gassen. Später, nach einem kurzen Inlandflug Richtung Westen, in Thandwe, dem Gateway zu Myanmars Ngapali Beach, das gleiche Bild. Schließlich will man auch nach der Festtagsdusche noch baden gehen.
Verändert hat sich die Szenerie mit meinem Kurzflug an die Küste schon - und doch auch wieder nicht. Zierliche Holzhäuser und Pfahlbauten flitzen nun am sandigen Landstraßen-Bankett vorbei. Entengequake statt Tuktuk-Geknatter. Statt der Ampellichter der Großstadt leuchten gleichzeitig frisches Bananen-Grün, Papaya-Orange und Weihnachtssterne-Rot auf.
Den kichernden Sarong-Schönen auf den eilig zusammengezimmerten Holztribünen sieht man die Wasserspäße am leichtesten nach: Angenehmes Rieseln bescheren sie einem und dazu den Tanz von kleinen Regenbogen im zerstäubten Licht. Sogar Buddha werden die Augen ein wenig ausgewischt. Frische Blüten vor den Haustüren bitten Thandwes Geister, die so genannten Nats, zu Besuch.
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