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Rosenwein, Liquamen und Apicius-Wurst waren vor rund 1.700 Jahren unverzichtbare Bestandteile eines klassischen römischen Dinners. Im archäologischen Park Carnuntum in Niederösterreich kann man die exotisch anmutenden Speisen auch heutzutage in authentischem Ambiente genießen – und dabei jede Menge über die Antike lernen.
„Asiatische Fischsoße? Lächerlich. Der echte Liquamen schmeckt zehnmal salziger und ist so intensiv, dass man ihn pur kaum essen kann!“, erklärt der blond gelockte Roland Lukesch mit all seinem Burschencharme in niederösterreichischer Mundart. Normalerweise ist er Spitzengastronom, heute unser persönlicher Koch in der Villa Urbana im archäologischen Park Carnuntum. „Außerdem merkt man es am Geruch. Das Zeug stinkt bestialisch,“ fügt er schmunzelnd hinzu, während er die dampfende Eisenpfanne mit den gebratenen Hühnerbrüsten zurück in den gemauerten Ofen schiebt. Nach einem originalen, gute 1.700 Jahre alten Rezept habe sein Kollege Norbert Payer die Gewürzessenz, auch Garum genannt, vier Monate lang in Süditalien angesetzt. Mit jeder Menge Fisch inklusive Eingeweiden und Salz.
Leider können wir von der Lake heute nicht probieren – Payer, experimentierfreudiger Kopf des Projekts „Römische Gaumenfreuden“, ist leider krank. Und so müssen wir heute auf die Geschmacksexplosion mit dem Original-Liquamen verzichten. Doch die aus der Asiaküche bekannte „Fish Sauce Oyster“, die unauffällig in einer Ecke steht, soll bis zum Ende des Abends wirklich die einzige Zutat bleiben, die nicht perfekt ins Ambiente passt.
Und das ist wahrhaft beeindruckend: In der erst vergangenes Jahr eröffneten Villa Urbana, einem rekonstruierten und reich ausgestatteten römischen Stadtpalais, wird das ungewöhnliche Dinnerevent veranstaltet. Einst soll das Gebäude im Besitz eines reichen Carnuntier Bürgers gewesen sein – das belegen zahlreiche archäologische Funde. Ein fächerübergreifendes Wissenschaftsteam hat die Grabungsergebnisse mithilfe modernster Computertechnik ausgewertet.
Anhand der Artefakte wurden von Experten, Bauchtechnikern, Archäologen und Restauratoren prachtvolle Fußböden verlegt und elegante Möbel aufgestellt. Sogar ein Hypokaustum (antike Heizung) gibt es. So soll jeder Besucher einen – weltweit übrigens einzigartigen – Blick in das Leben der römischen Oberschicht werfen können. Und in eine Zeit, als Carnuntum noch eine Siedlung von Weltrang war. Denn wäre die einstige Donaumetropole nicht einem Erdbeben zum Opfer gefallen, hieße die österreichische Hauptstadt heute wahrscheinlich nicht Wien, sondern Carnuntum. Das erklärt versiert und im grauen Anzug Matthias Pacher, Marketingleiter des Parks. Er führt uns heute amüsant und kompetent durch den Abend.
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