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Neue Attraktion in Tirol: Hotelgäste beobachten die Natur – von Guides geführt und mit Profi-Ferngläsern bewehrt. Redakteur Markus Stein hat im Schatten der Zugspitze einige Blicke ins Unterholz riskiert. Hier sein Bericht.
Jaaaaa!“ Der Wind trägt den Freudenschrei über das frühsommerliche, nebelverhangene Ehrwalder Moos im Südwesten der Zugspitze. Hat Österreich gegen Deutschland ein Tor geschossen? So klingt’s jedenfalls. Doch die Ursache für den Gefühlsausbruch von Scout Walter hat nicht die Größe eines Fußballs, sondern die eines Tischtennisballs. „Schaut mal, auf dem Dachfirst des Heuschobers dort vorn, da sitzt eine Goldammer“, ruft der drahtige Naturfreund im besten Alter. Er ist ganz aus dem Häuschen.
Schnell reiße ich das Fernglas vor die Augen – und stochere erst einmal durch konturloses Graugrün. Fokussieren und zielen mit dem mobilen „Fernseh-Apparat“ will geübt sein. Nach einigen Schwenks über die Wiesen habe ich sie endlich im Visier, bzw. „es“, das kleine goldene Wollknäuel.
Tänzelt auf dem Bretterverschlag herum. Plötzlich, so scheint’s, grinst es mich frech durchs Objektiv an und schießt mit dem nächsten Windstoß in die Luft, auf und davon ...
Tja, scheu ist die Natur, ihre Lebewesen meiden konsequent die Nähe des Menschen. Weshalb dieser, vor allem wenn er Tiroler Tourimusmanager ist, sich einiges einfallen lassen muss, um jene groß vor seinen Gästen herauszubringen. So wurde die Initiative „Nature Watch“ geboren:
Ausgesuchte Hotels bieten ihren Besuchern Naturwanderungen an, die von geschultem Personal geführt werden. Die Outdoor-Paparazzi werden außerdem leihweise ausgestattet mit hochwertigen Ferngläsern der Firma Swarovski.
Doch nicht nur die Bewohner der Lüfte lassen sich mit Ferngläsern einfangen, auch Bodenständiges wie Blumen oder Winziges wie Insekten sind lohnende Objekte – indem man das Gerät umdreht und wie eine Lupe nutzt.
„Gewaltig!“ Walter wird wieder von der Begeisterung hingerissen. „Ein Braunkehlchen! Da hat sich unser Ausflug doch wirklich gelohnt.“ Er deutet in die graue Nebelsuppe. Leider bleibt mir der immer seltener werdende Vogel verborgen, obwohl ich deutlich seine „Jü teck“-Rufe höre.
Rothirsche stehen mit vier Beinen auf dem Boden der Tatsachen – wenn sie mal nicht dösend im Unterholz liegen und verdauen. Etwa sieben bis zehn Stunden am Tag widmen diese bis zu 270 Kilogramm schweren Ikonen alpiner Brachial-Romantik dem Äsen, fünf bis sechs Stunden dem Ruhen und Wiederkäuen. Doch jetzt ist Abendessen angesagt. Durchs Fernglas erspähe ich unterhalb eines Bergkamms, etwa 1.000 Meter von unserem Beobachtungsposten entfernt, zwei Prachtexemplare mit mächtigem Geweih, dann einen dritten.
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