Zauberhaftes Musandam

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Golf-Kurs

Jenseits der Glitzerwelten von Dubai und Abu Dhabi haben wir uns für diesen Reisebericht an Bord einer Dhau, unter Wasser und zu Fuß auf Omans Halbinsel Musandam und in der Wüste des Emirats Ras al-Khaimah umgesehen.

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Schleudergang! Die „Perle des Arabischen Golfs“ vibriert und zittert. Strudel greifen nach dem hölzernen Rumpf der gedrungenen Dhau, die mit kehligem Dieselbariton durch die 400 Meter breite Meerenge des Bab Musandam tuckert. Links buckelt der nackte Fels der Insel Jazirat Musandam aus dem Meer. Rechts ragen die steilen Felsklippen der schroff gefurchten, hitzestarrenden Landzunge Ras al-Bab empor. Dahinter brodelt, gurgelt und wirbelt das Meer.

Diese Stelle, an der die Wassermassen des Arabischen Golfs und des Indischen Ozeans aufeinanderprallen, muss für die Mannschaften der alten Waren-Segler der blanke Horror gewesen sein. Wer in den Sog kam, war schnell verloren. Zum Glück hat unsere Dhau einen kräftigen Diesel und Kapitän Abd al-Aziz, der souverän am Heck unserer Dhau thront, die gewaltige Ruderpinne fest im Griff.

Wer hier über Bord geht, plumpst übrigens in eine der größten Walhai-Kinderstuben der Welt. Lieber tauchen wir kontrolliert ab. Vier Stunden zuvor ankerten wir in der Bucht von Furta. Zeit für eine Schnorchelpartie, lobt man doch die fischreichen Gewässer rund um Omans Halbinsel Musandam für den größten maritimen Artenreichtum der Welt.

Unter uns erstreckt sich ein submariner Paradiesgarten, verschwenderisch in seinen Farben und Formen: rund und plump, lang und schlank, glupschäugig, starrblickig, knallbunt und getarnt, niedlich und furchterregend. Eine Karett-Meeresschildkröte, erkennbar am sehr schmalen, fast greifvogelähnlichen Kopf, starrt mich eine Minute regungslos an, um dann blitzschnell zwischen gewaltigen Geweihkorallen zu verschwinden.

Schwebend durch einen famosen Korallen-Wald. Vorbei an Korallen, die an Blumenkohl und Mega-Boviste erinnern oder die Form von Tischen und Satellitenschüsseln haben. Dicht an dicht stehen diese Kunstwerke der Natur – und in voller Farbenpracht. Besonders auffällig sind die verschlungenen Hirnkorallen von bis zu einem Meter Durchmesser.

Später lässt Abd al-Aziz im karg-schönen Fjord Khor Najd im fahlen Licht des Sternenhimmels Anker werfen. Das Wasser brodelt und blitzt, als habe Neptun ein Schwarzlicht-Stroboskop angeworfen. Hunderte Fische springen über die Meeresoberfläche und setzen so eine kuriose Sound-and-Light-Show in Gang. Regie führen sogenannte Dinoflagellaten, bis zu zwei Millimeter große „Meeresleuchttierchen“. Sie sorgen dafür, dass bewegte Teile der Wasseroberfläche, also Spritzer, Wellenkämme oder die Heckwellen von Booten, phosphoreszieren. Während Noctiluca das Meer leuchten lässt, grillt die Crew an Bord ein paar saftige Riesenbarsche (Hammour), die wir in reichlich Whisky planschen lassen.

Keine Nacht unserer Reise sollte so entspannend und erholsam sein wie diese. Lang gestreckt auf den Sitzkissen, an der frischen Luft, über uns ein grandioses Sternenfunkeln – um uns totale Stille.

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Tolle Reportage, ich glaub, so eine Dhowreise gönne ich mir im Herbst. Dann kann ich ja gleich noch etwas Palstikmüll einsammeln


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