
Robert Haidinger
Den Panama-Kanal zwischen Atlantik und Pazifik lassen wir in diesem Reisebericht mal links liegen. Zugunsten des prosperierenden Panama City, des saftig-grünen Hinterlands und der traumhaften 1.518 Inseln mit Karibik-Flair, die der Küste vorgelagert sind.
Keine Ahnung, ob die Vorfahren der Guayami-Indianer Hüte trugen. Die Leute in der Gegend von Penonomé, einem Marktflecken in der Provinz Coclé, tun es jedenfalls: schwarz und strohgelb geringelte, aus einzelnen Reifen zusammengenähte Zehn-Dollar-Dinger. Als Panamahut würden die nie durchgehen. Denn das sind elegante Modelle aus feinem Toquilla-Stroh, mit weit nach vorn gezogener, cremefarbener Krempe – ideal für den weiten Finanzhorizont und das mittägliche Privatpensions-Nickerchen.
Doch Coclés Bauern müssen mehr sehen als eine schicke Krempe vor der verschwitzten Stirn. Auch deswegen hat der echte Panamahut, den die Hutmacher auf Penonomés lokalem Mercado de Artesanías Coclé verhökern, den eher uncool nach oben gekippten Rand. Deswegen auch die steife, ja fast grobe Machart, die den Clinch mit kratzigen Stauden verzeiht. Deren runde, eimerartige Form ist für die von Knochenarbeit und Tropenklima geplagten Campesinos unverzichtbar.
Ganz Panama geht unter zwei Hüte. Das wird spätestens beim Shoppen in den Kolonialstädtchen der Provinz Herrera klar, die zwei Autostunden südwestlich von Panama City liegt. Die härtesten Modelle tauchten bei den letzten Präsidentenwahlen als volksnahes Requisit der Siegerpartei auf. Die flamboyante Krempe des aus Ecuador importierten Luxusmodells hingegen steht seit je für manikürten Müßiggang.
Zwei Meere und die Transitzone eines Doppelkontinents treffen in Panama zusammen. Vor allem aber diverse Restposten einer überwiegend fremdbestimmten Geschichte. Versprengte Indios. Amis im legendären Blütenhemd. Altes und erst recht viel junges Geld. Kastilische Kochrezepte und Business-Ideen von Aussteigern aus Italien, der Oberpfalz und L. A. Alles da. Ferner Containerfrachter aus aller Welt. Und zur Abrundung eine obskure Währung, der Bilbao, den es bestenfalls als Wechsel- und Kleingeld gibt – und als klimpernde Randnotiz einer sonderbar verwischten Identität.
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