
Autor:
Frank Tophoven
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Der weltberühmten Ruinenstätte nähert man sich am besten auf dem Inka-Trail. Dabei muss man hoch hinaus und dünne Luft schnuppern...Lesen Sie unseren Reisebericht aus den Anden.
Auf einer Klippe über dem Río Urubamba thront die Inka-Stätte Machu Picchu (Großer Gipfel), gerahmt von schroffen Felsen, die an den Wolken kratzen. Ein bequemer Weg führt nach Machu Picchu. Man steigt in einen Zug und fährt vier Stunden durch das Heilige Tal der Inkas bis Aguas Calientes am Fuß der Ruinenstätte. Manche chartern auch einen Helikopter. Aber das ist nicht der wahre Weg. Der wahre Weg zu der einzigartigen Ruinenstätte scheint unbequem. Ein viertägiges Trekking durch die Berge mit Passhöhen von bis zu 4.200 Meter Höhe und eiskalten Nächten im Zelt!
Der Inka-Trail folgt einer Straße, die schon die alten Inkas gingen und die Teil eines Wegenetzes war, das alle wichtigen Orte im Inka-Reich mit der Hauptstadt Cusco verband. In nur fünf Tagen konnten Läuferstaffeln auf den Inka-Straßen Nachrichten 2.500 Kilometer weit befördern, heißt es. Um die Zahl der Wanderer zu begrenzen, darf der Trail nur mit lizenzierten Agenturen begangen werden. Ein Führer leitet die Gruppe und einheimische Träger transportieren die Ausrüstung der Reisenden. Trekking de Luxe lautet das abwertende Urteil von Outdoor-Puristen. Das schert mich nicht.
Der erste Abschnitt ist einfach. Nur selten stehen Höhen im Weg. Kakteen und Sträucher wuchern zwischen Felsen in der wilden Landschaft. Heiße Luft weht uns aus dem Flusstal entgegen. Im Juni, in der Trockenzeit, ist die Natur verbrannt, wiegen sich braune Gräser im Wind, zeigen sich nur noch die Ufer des Río Urubamba saftig-grün. Auf den Hügeln erkennen wir Terrassen und Ruinen. "Ehemalige Inka-Dörfer", erklärt Fernando und zeigt uns Felder, auf denen Mais wuchs, die Mauerreste von Wohnhäusern sowie die Fundamente einstiger Tempel.
Kühle Luft fließt von den Gipfeln, als die Sonne hinter den Bergen verschwindet. Mit einem Rest von Tageslicht und als letzte Gruppe erreichen wir schließlich das Camp Wayllabamba.
2. Tag: 1.200 Höhenmeter!
Alle Inka-Trail-Novizen fürchten den zweiten Tag mit einem Anstieg von 3.000 auf 4.200 Meter. Andächtig füllen wir unsere Flaschen. Wasser, Powerdrinks, Energieriegel: Ungerührt laden die Porter Lasten auf und kauen Coca-Blätter. Natur gegen Chemie, Werbeversprechen gegen Erfahrung seit Inka-Zeiten.
Ich vertraue den Trägern, schiebe eine Lage Coca-Blätter in den Mund und hefte mich an ihre Fersen. Die getrockneten Blätter berauschen nicht, aber sie mindern die Anstrengung.
Steil führt der Pfad empor. Gleichmäßig stapfen die Träger vor mir hinauf. Immer dünner wird die Luft, immer langsamer werden die Schritte. Wir passieren müde Trekker, werden von schnelleren überholt. Aber irgendwann sitzen auch die Schnellen schweißüberströmt auf den Steinen am Rand. Und die Träger schaukeln an den Erschöpften vorüber, Leinensäcke voller Lebensmittel auf den Rücken, Gasflaschen darunter und stählerne Kocher darüber geschnallt: Im Praxisvergleich Powerriegel gegen Coca siegen die Coca-Blätter.
Matt, frierend und glücklich schnuppere ich die Gipfelluft und blicke über gezackte Kämme in die Wolken. Einheimische haben auf der Wiese unter dem Gipfel Stände aufgebaut, verkaufen Kekse, Suppe, Schokoriegel. Dann geht es weiter. Auf einer Höhe von 3.500 Metern errichten die Träger auf den Terrassen von Paqaymayu das Nachtlager. Eisig streicht der Wind durch Wiesen und Sträucher, glasklar und noch eisiger gurgeln Bäche ins Tal. Die Sternenhimmelbegeisterung nach dem Essen fällt aus - es ist bitterkalt. In voller Montur vergraben wir uns in den Schlafsäcken, bis uns Fernando am folgenden Morgen mit heißem Tee weckt.
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