
Autor:
Frank Tophoven
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Julio fehlt. Träge wabern die Rauchschwaden durchs „El Nomade“ und noch träger hocken die Raucher darunter.
„Julio war vorhin zu betrunken“, sagt Maria, die Barfrau. „Aber er wird bestimmt gleich kommen!“ Also macht die Band Pause. Julio schleicht herein. Die viel zu weite Hose schlottert um den dürren Körper. Schmutzig ist er. Ist er gestürzt oder hat er in einer der Straßen geschlafen?
Er schlurft zur Bühne, greift seine Querflöte und beginnt zu spielen. Vielleicht weiß er nicht, wo er ist. Vielleicht weiß er nicht, was er tut. Aber er tut es gut! Die Zigarettenschwaden unter der Decke geraten in Bewegung, die drei mexikanischen Brüder eilen an ihre Instrumente und dann vibriert die Bar.
Es wird getanzt und verliebt geschmachtet. Geigenjauchzen, lustvoll wehmütige Lieder und der pulsierende Cajonrhythmus quellen durch die offenen Fenster in die kalte Andennacht und steigen in den Sternenhimmel über dem peruanischen Cusco.
Mauryah ist dramatisch schön. Sie lebt von der Luft und lässt sich nicht lieben. Wenn es einer versucht, rinnt sie ihm durch die Finger und hinterlässt nichts außer ein paar Schnitten in der Seele, schmerzhaft fein wie von der Kante eines Blatt Papiers. Sie tanzt vor Julio, ignoriert den verträumten Chilenen, der sich immer dichter an sie herantanzt, und schaut nur auf Julio.
Aber als Julio seinen Blick nicht mehr von ihr lässt, als er nur noch für sie spielt und seine Hüfte nur noch für sie zuckt, dreht sich Mauryah um und verlässt die Bar.
Ein kleiner Hut thront auf ihrem langen schwarzen Haar. Ein Hut, wie ihn die Cholas, die Indianerinnen in der Stadt, traditionellerweise tragen.
Cusco, Weltkulturerbe des ewigen Imperialismus. Das kleine Volk der Inka hatte vor mehr als einem halben Jahrtausend die meisten Völker Südamerikas unterjocht und mit Macht und Pracht in Cusco geprotzt. Die Inka hatten weder Pulver noch Rad, wussten aber aus behauenen Felsblöcken Mauern zu bauen, die Skulpturen waren und Tempel und Paläste trugen.
Zur gleichen Zeit übten sich die Spanier – dank Pulver, Nautik und Rad – im globalen Imperialismus. Francisco Pizarro führte eine Horde Bauernsöhne und Sträflinge hinauf in die Anden bis ins 3.400 Meter hoch gelegene Cusco. Die Spanier müssen allesamt Athleten gewesen sein, unglaubliche Kraftprotze und zähe Hunde, dass sie nach diesen Strapazen überhaupt noch einen wehrhaften Eindruck machten. Das taten sie.
Intrigen und indianische Illoyalität machten möglich, dass 168 Spanier eine Großmacht besiegten, mit Mord, Lug und Trug deren Schätze stahlen und ihre bei Weitem nicht so skulpturalen Mauern auf die alten Inka-Mauern setzten.
Das ist Cusco heute. Bedrückend bis beeindruckendes katholisches Mittelalter, Kirchen, Klöster und Paläste, errichtet auf wunderschönen Inka-Steinmetzarbeiten. Und nach Perus Hauptstadt Lima ist die Stadt das jüngste und auch kreativste Zentrum Perus.
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Britta (nicht überprüft) sagte vor 1 Jahr 2 Wochen:
Ich versteh die Welt nicht mehr! Fahrt Ihr nach Peru auf der Suche nach trendigen Lifestyl? Klar, die Peruaner laufen nicht alle so rum wie der Junge auf dem Cover und sie leben erst Recht nicht hinter dem Mond. Auch klar ist, dass der moderne Backpacker sich an Orten erholen muss, die der Heimat verdammt ähneln. Aber richtig spannend sind doch die Orte wo Otto-Normalverbraucher einkauft, isst und trinkt. Oder nicht? .... wahrscheinlich bin ich einfach alt geworden, ich reise ja inzwischen auch nicht mehr mit Rucksack sondern mit Reisetrolley.
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