
Autor:
Robert Haidinger
InsiderTipps
Diese Insel Palawan, ganz im Westen des philippinischen Archipels gelegen, ist Pionierland für Neugierige. Mit Himmeln und Höllen nach Wunsch. Und wer nur relaxen möchte, wählt einfach seinen Traumstrand im Bacuit-Archipel.
Krallen, Speere, Spargelspitzen? Vielleicht. Doch es könnten auch scharfe Zähne sein. Und weiter hinten: ein Pilz, auf den die spitzen Stalaktit-Hauer beißen. Beißend ist auch der Geruch in der lang gestreckten Höhle: Zwergfledermaus-Dung.
Anderes hätte man so tief im Karst auch nicht vermutet – Fledermäuse und leichtes Gruseln. Denn wenn der Bootsmann mit seiner Lampe immer weiter nach hinten tastet, dann ist längst noch kein Ende in Sicht.
Fratzen grinsen einem aus dem schwarzen Grund entgegen. Immer neue Dome öffnen sich. Mit stummen Kalksteinorgeln an den gewölbten Wänden und mit Kanzeln, auf denen höchstens der Teufel seine Messe liest – 40.000 Fledermäuse versammeln sich dazu. Unheimlich hallt das leise Plätschern des Paddels im hohen Gewölbe zurück. Dabei sind die Forscher, die sich die Grotte von Zeit zu Zeit vornehmen, erst ganz am Anfang. Wo die Boote mit den Touristen allmählich wieder umdrehen, legt der Untergrundfluss erst richtig los.
Über acht Kilometer kann man immer tiefer in die Eingeweide des Mount St. Paul vordringen – das ist Weltrekord. Palawans St. Paul Subterranean River gilt als längste schiffbare Wassergrotte der Erde und ist seit 1999 als Unesco-Welt-Naturerbe gelistet.
Der Leipziger Biologe Hendrik Freitag, der das gesamte System des unterirdischen Cabayugan River vor einigen Jahren unter die Lupe nahm, staunte jedenfalls nicht schlecht: Gleich mehrere neue Arten der palawanschen Süßwasserfauna brachte er von seiner Exkursion ins Innere der Erde zurück. Parathelphusa cabayugan etwa, eine neu entdeckte endemische Flusskrabbenart. Dazu eine bislang nur auf den südjapanischen Ryukyu-Inseln gesichtete Untergrundgarnele, die das Leben im Dunklen fast erblinden ließ. Die wissenschaftliche Beschreibung der tief unten neu entdeckten Insekten ist derzeit noch gar nicht abgeschlossen.
Die Augen reibt sich jeder, der zurück ans Tageslicht kommt, denn die Helligkeit blendet. Dass der tropisch dampfende Himmel weiße Nebelschleier trägt, ändert daran nicht viel. So gewinnt die faszinierende Ecke ganz allmählich an Kontur: Blaugrün schimmert das Wasser der kleinen Lagune vor der Höhleneinfahrt. Lianen baumeln von Urwaldriesen. Weiter hinten hat sich ein Bindenwaran eine sandige Böschung als Sonnenliege hergerichtet.
Keine Frage: Palawan kann sich durchaus auch oberirdisch sehen lassen. Schon gar entlang dem Monkey Trail, der neben der Küste und quer durch den umliegenden Nationalpark ins Dörfchen Sabang zurückführt: Langschwanzmakaken, dichter Urwald, durch den man mit etwas Glück den seltenen Rotsteiß-Kakadu und das Wappentier der Region, den endemischen Palawan-Pfaufasan, sehen kann. Oder zumindest hören, wie wenig später auch den Stimmenimitator Beo.
Doch über dem Zirpen und Sirren, das den rutschigen Wanderweg begleitet, liegt zugleich eine himmlische Ruhe. Sie gibt auch beim Nationalpark-Checkpoint des PCC den Ton an. PCC? Klingt ziemlich revolutionär. Aber keine Angst. Das Kürzel steht lediglich für Palawan Conservation Corps und die Herren in den Tarnanzügen wissen viel von Evolution und Darwin – und nichts von Lenin und bewaffnetem Kampf.
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