
Autor:
Robert Haidinger
InsiderTipps
„Twenty-one free activities!“ Welcome-Drinks sowieso. Der Filipino, der am Mangroven-Bootssteg neben El Nidos Lio Airport gerade Urlauber einsammelt, verkündet das Aktivurlaubs-Mantra des Resorts mit bedächtig gesetzten Atempausen zwischen den einzelnen Punkten.
Und er verteilt zu den Schwimmwesten eine Art Holidayholic-Checklist. Schnorcheln, Tauchen, Sea-Kayaking, Beach-Volleyball, Island Cruise, Tennis, Klettern, Surfen, Segeln, Hutflechten. Alles inklusive. Macht fünf Activities pro Kurzurlaubstag.
Die mit zum Transfer aufgekreuzten Gäste aus Taiwan wirken auf routinierte Weise gestresst, setzen konzentriert kleine Häkchen neben die lange Liste. Außer bei „Hutflechten“.
Aber dann tuckert das Boot auch schon los. Langsam zuerst, damit die weißen Fischreiher und schwimmenden Seerosen neben dem Lio Airport im Reklamationsfall als Mangroven-Cruise durchgehen. Ziemlich flott später, weil es sich ja dann um die James-Bond-Sequenz handelt, woran auch das uncoole Rollkarree-Outfit der Schwimmwesten nichts ändern kann.
Der kleine Bacuit-Archipel spricht übrigens für sich. Mit Felsen, die wie gespiegelte Kleckse aus tintenblauem Wasser ragen. Mit zackigen Schattenrissen, hinter denen später ein lila Abendhimmel zerfließt. Eine Landschaft wie ein Rorschachtest, aber aus der neuen Ära Photoshop.
Und gerissen zerrissen, je länger man sie am Horizont sortiert: Denn hinter jeder Durchfahrt verschiebt sich die Perspektive, bildet neue Kulissen aus Karst, schafft so ein Insellabyrinth, das etliche Hinterausgänge Richtung Ferienparadies eingebaut hat. Hier der nächste, nur vom Wasser aus erreichbare Mini-Strand: Palme, Busch, drei Meter weißer Sand.
Da ein Spalt im Karstfelsen, der abends Zwergfledermäuse ausspuckt und tagsüber Sea-Kayaker in quietschbunten Kunststoffbooten schluckt. Später machen wir einen Ausflug zur benachbarten Insel Pangalusian. Activity-Score voll: Surfen und Segeln am Rand einer dunkelgrauen Wolke, die sich wie ein Vorhang zum gleich losbrechenden Naturschauspiel auf das Inselchen zu bewegt.
Noch mehr Kayaking später, auch über dem Kopf jener schwarz geringelten Giftschlange, die ausgerechnet die enge Zufahrt zur versteckten Miniloc-Lagune bewacht – einer türkisfarbenen Wunderbucht wie aus dem Leonardo-DiCaprio-Film „The Beach“.
Vorher Bergwandern zum Pangalusian-Gipfel, wo sich das grandiose Land-Wasser-Puzzle des ganzen Bacuit-Archipels ausbreitet. Auch die Taiwanesen blicken schweigend auf die Karstwipfel im Meer, halten ergriffen in der aufkommenden Brise die neuen grünen Palmblatthüte fest. Klar: selbst geflochten. Kurs also doch besucht …
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