
Autor:
Markus Ridder
Diese Stadt vibriert. Und lebt das amerikanische "Alles geht!" - Begegnungen zwischen Edelboutiquen, Jazz-Clubs und dem Literatenviertel Alter Arbat. Auch während unseres Reiseberichts.
Vladimir Sergeev hat nur Zeit für eine kurze Pause. Der Marketingdirektor des Kaufhauses GUM (Glawnyj Uniwersalnyj Magasin) ist ein viel beschäftigter Mann. Er gibt sich locker im Designeranzug, blauem Seidenhemd und ohne Krawatte. In den vergangenen Jahren hat der Jungdynamiker einiges verändert: "Die Türen, die Böden, fast alles, was Sie sehen, ist neu." Puma, Nike, Adidas, Escada, Gerry Weber, Otto Berg - keine Weltmarke, die nicht ihr Logo präsentierte.
Platz gibt es genug: Auf drei Etagen beherbergt der Riesenbau rund 200 Geschäfte. Zu ihnen gelangt man über Geschosse verbindende Brücken, vorbei an Springbrunnen, Spiegeln, Stuck und Kronleuchtern. Alles ist vom Feinsten im GUM, aber das Beste ist natürlich die Location: Das Kaufhaus steht am Roten Platz, direkt gegenüber dem Kreml.
Im Winter gibt es dort, wo einst Militärparaden stattfanden und Uniformierte steif zur Marschmusik salutierten, einen Eislaufparcours. "Die Lizenz haben wir von unseren Nachbarn gegenüber beschafft", sagt Vladimir und zeigt mit frisch rasiertem Kinn in Richtung Lenin-Mausoleum. Noch immer liegt der Gründer der Sowjetunion käsig-wächsern in seinem Glassarkophag vor den Mauern des Kreml. Dann klingelt das Handy, Vladimir muss los.
Vor allem nördlich des Kreml, zwischen Bolschoitheater und der Twerskaja, Moskaus zentraler Einkaufsachse, erinnert nichts mehr an den Verteilungsmuff aus UdSSR-Zeiten. Elegante Damen stöckeln mit Gucci- und Prada-Handtäschchen durch die Markenshops und Edelboutiquen. Man trifft sich auf einen Kaffee im exklusiven "Puschkin" und die Ausbeute eines anstrengenden Shopping-Nachmittags wird den Freundinnen abends bei einem Drink in der stylischen Bar des "Hyatt" präsentiert.
Luxus ist die Losung in Russlands Kapitale: Nirgendwo verkauft Mercedes-Benz so viele Maybachs wie hier und nirgendwo in Europa zeigen die Schönen und die Reichen so frei und freizügig, was sie zu bieten haben.
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