
Autor:
Andreas Hub
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Mittelschwedens Sörmland macht Müde munter. Etwa, wie in diesem Reisebericht, bei einer ganz entspannten Radtour mit viel Natur und Kulturprogramm. Der "Näckrosleden", der "Seerosenweg" wird uns mit gelben Schildern in den nächsten Tagen leiten.
Wenig befahrene Nebenstraßen, Schotter-, Feld- und Waldwege, oft leicht hügelig, aber nie mit extremen Steigungen. In Sörmland, eine Eisenbahnstunde westlich von Stockhom, ist alles auf Genuss angelegt, da muss man weder schnell fahren noch schnell bremsen.
Tagesetappen von 30 bis 40 Kilometern lassen genug Zeit zum üppigen Frühstück auf den Terrassen von Herrenhäusern, für herrliche Ausblicke links, rechts und vorm Lenker, dann mal ein Eis beim Händlaren, dem Dorfkaufmann, für den Mittagsschlaf im Schatten duftender Strohballen, zum Beerenpflücken im Wald und zum Baden - Wasser blitzt immer zwischen den Bäumen. Also erst der See oder erst Svens Lunchpakete, die seit 15 Kilometern auf dem Gepäckträger schaukeln? Erst der See, aber hallo! In Hulla rechts, nach 50 Metern Wiese und Buschwerk weitet sich der Blick auf den Öljaren, ein Nebengewässer des riesigen Mälarsees, der die Sörmlander Landschaft beherrscht.
Ein hölzerner Steg, im Wellenschlag zart knarzend, führt vom Sandstrand durch Schilfröhricht aufs Wasser. Ein altes Ehepaar spielt Karten, eine junge Mutter bringt ihrem Kind mit dem Rettungsring Schwimmen bei und einer, der noch mehr Einsamkeit sucht, dümpelt draußen auf der schwimmenden Badeplattform. Das ist alles. Das ist Hochsaison in Mittelschweden. Blauer Himmel mit Schäfchenwolken bis zum bewaldeten Horizont. Warmes, dunkles Wasser, das nach Moor riecht.
In der ersten Nacht lassen wir uns im Freilichtmuseum Julita einsperren, ganz legal, nachdem wir mit den Rädern durch ein großes schmiedeeisernes Tor gerollt sind. Über Nacht allein in dem großen, leeren Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert, wenn alle Tagesgäste längst gegangen sind - das ist schon ein bisschen gruselig. Knackt da nicht die Holztreppe? Und rollen dort nicht ein paar Kiesel über die verlassenen Wege? Im mittsommernächtlichen Zwielicht wölbt sich die Tüllgardine am Fenster. Es ist nur ein laues Lüftchen vom See ...
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