InsiderTipps
Der See gewinnt seine landschaflichen Reize durch die vielen hohen Berge, die an allen Seiten aufragen. An den Ufern wiederum herrscht bereits südländisches Flair – und die Großfinanz. Ein hochinteressantes Terrain für den Autor unseres Reiseberichts!
Der Luganer See, etwa 70 Meter höher als der Comer See gelegen, präsentiert sich als ein See mit zwei Gesichtern: einem urwüchsigen im Osten und einem urbanen in der Bucht von Lugano. Von Menaggio am Comer See fahren wir einige Serpentinen bergauf und erreichen den östlichen Arm des Luganer Sees bei Porlezza. Von dem Dörfchen Gandria wollen wir mit dem Schiff nach Lugano schippern – und wieder zurück.
Enge, verwinkelte Gassen klettern das steile Ufer hinauf. Am Anleger sind wir allein, nur ein paar Regentropfen leisten uns Gesellschaft. Ab und zu schwappt Wasser gegen die Steine. An dieser Stelle wirkt der See wie ein Fjord, die Ufer sind dicht bewaldet und sehr steil. Aus dem „Ristorante Miralago“ nebenan dringt Musik, Dean Martin singt „Volare“. Und als ich darüber sinniere, dass doch eigentlich Vico Torriani angesagt wäre, kommt auch schon das „MN Paradiso“.
Das nostalgische Ausflugsboot besitzt eine kleine Bar und noch einen Ticket-Schalterraum, in den der in eine blaue Uniform gekleidete Offizier nach dem Ablegen verschwindet. Leider haben wir im Fahrplan ein Sternchen übersehen. Es hätte uns gesagt, dass der Sommerfahrplan erst nächste Woche in Kraft tritt und folglich heute Abend kein Boot mehr zurückfährt. „Steigt beim nächsten Halt aus, trinkt dort einen Cappuccino und geht zu Fuß wieder zurück. Der Sentiero dell’ Olivo verläuft direkt am Ufer und ist sehr schön. In 20 Minuten seid ihr wieder in Gandria“, sagt uns der freundliche Offizier. Da man einer Schweizer Amtsperson niemals widersprechen sollte, haben wir es genauso gemacht.
Wir gehen durch üppiges Grün. Vorbei an Oleander und Palmen, Zypressen und Feigenbaum, Olive und buschweise Rosmarin. Mit pfeifendem Flügelschlag startet ein Schwan, gewinnt langsam an Höhe. Immer auf Seehöhe bleibt dagegen das Motorboot, mit seinem Wasserskifahrer im Schlepptau. Abendessen dann am Wasser – das Ristorante „Il Ritrovo“ samt Terrasse verströmt den unverwechselbaren Charme der 1970er Jahre. Die Pizza schmeckt. Daran ändert auch die Wolke Pitralon-Rasierwasser nichts, die vom Nebentisch herüberweht.
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