InsiderTipps
Hoch über dem Schweizer Mattertal züchtet der Ex-DJ und Globetrotter Daniel Wismer mit seiner Freundin zottelige Yaks. Umgeben von schneebedeckten Bergriesen leben die beiden ihren Lebenstraum: High Life zwischen Tibet und Techno.
Der Weg in die Freiheit kostet vier Franken fünfzig, ohne Ermäßigung. Vier Personen und ein paar Hühner fasst die kleine Seilbahn aus dem engen Tal hinauf nach Embd. Ein paar Häuser, eine Betonwand gegen Felsstürze und ein kleines Holzschild mit einer unförmigen Kuh darauf . "Wolln's wohl zu den Yaks?!", fragt der alte Liftwärter und weist den steilen Weg hinauf durch Almwiesen. Nach einer halben Stunde Aufstieg ist das Ziel, der uralte Berghof Roti Flüo, erreicht. Tibetische Gebetsfahnen wehen im kühlen Wind. Stille. Die Sonne lässt den Schnee auf den Viertausendern glühen. Mit einem Grunzen, als drehe man einen Spielzeugbären auf den Bauch, betrachtet neugierig ein Yak den hornlosen Fremden. Yaks in den Alpen, auf den ersten Blick so exotisch wie Alphornbläser in der Südsee. Doch sind sie nicht die einzigen Bewohner, die hier auffallen. Seit ein paar Jahren beherbergt das Anwesen in 1.650 Metern Höhe die wohl exotischste WG der Schweiz.
Perlhühner und nepalesische Fasane. Minischweine und ein Siebenschläfer namens Toni. Ein dicker tibetischer Hirtenhund, 46 Yaks, zwei Schweizer und ein Traum: Klein-Tibet in den Alpen. 1995 wurde er für Daniel Wismer aus dem Schweizer Zug Wirklichkeit. "Am Anfang war es schwer, ganz allein", sagt der Ex-DJ, Holzfäller und Globetrotter mit dem Pferdeschwanz. Die Meinung der Bauern im Tal war damals einhellig zur eigentümlichen Zottelbande in der Nachbarschaft, erinnert er sich: Die Yaks stünden nur rum und seien doch zu rein gar nichts nütze. Doch Wismer war überzeugt: "Irgendwann wird man mich entdecken".
Entdeckt wurde er von Lokalreportern, denen Wanderfreaks und Tibet-Fans folgten. Auch unter den zahlreichen Exil-Tibetern in der Schweiz sprach sich Wismers "Himalaya Light" schnell herum. "Die haben oft Heimweh oder wollen ihren Kindern mal echte Yaks zeigen", erzählt er. Eines der beiden Häuser der Roti Flüo baute er schließlich zum urgemütlichen Gästehaus mit 21 Schlafplätzen um. Aus der Roti Flüo, dem roten Felsen, wurde "Yaktsang Li", tibetisch für "Ort der Yaks". Auch ans Merchandising wurde gedacht. "Hard Yak Café" steht auf den T-Shirts gestickt, die es im kleinen Sherpa-Shop auf dem Hof neben allerlei Tibet-Devotionalien zu kaufen gibt.
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