
Autor:
Robert Haidinger
InsiderTipps
Die 115 Inseln der Seychellen sind ein Stück Eden. Es gibt keine Tropenkrankheiten, keine Wirbelstürme und keine giftigen Tiere. Sie haben den größten Anteil an Naturschutzgebieten dieser Welt mit hitverdächtigen Stränden, etwas Urnatur und famosen Luxus-Resorts – aber auch erschwinglichen und charmanten Gästehäusern. Wie unser Reisebericht verrät.
Runder, kahler Schädel, dazu das bleiche X der überkreuzten Knochen. Bitterböses Grinsen sowieso. Keine Frage: Eine grässliche Piratenflagge flattert auf mich zu. Aber besonders gefährlich sieht sie nicht aus. Eher ist es ein Totenkopf nach Girlie-Art, der dem Mädchen lässig über der Schulter hängt. Denn Knochen und Schädel sind mit glitzernden Pailletten auf deren Tasche gestickt und funkeln nun wie ein kleiner Schatz. Auch das bietet die Anse Royale an diesem Morgen: Piraterie mit einer Prise Pariser Schick.
Wir befinden uns im Südosten der Insel Mahé, kaum 30 Minuten vom Internationalen Flughafen entfernt – und sind bereits fest im Bann der Seychellen. Es ist ein freundlicher Zauber.
Mit dem Schillern von Piraten-Pailletten und mit Gesichtern, in denen sich Geschichte widerspiegelt und vielleicht ein guter Schuss schottisches Blut. Eine ganz eigene Mischung boten die Inseln der Seychellen – nördlich von Madagaskar und Mauritius gelegen – freilich schon immer: Palmen, Proviant, Piraten, Paradies. Dazu kam jener Hauch von Glamour, dem bis heute die Unschuld des Selbstgestrickten anhaftet.
Small world. Das meint, wenige Autominuten später und eine Paradiesgarten-Etage höher, auch die alte Dame, die Tickets für ihren Gewürzgarten verteilt – und nebenbei die hausgemachte Spice-Eiscreme empfiehlt. Michelin Georges heißt sie, Nachfahrin der Familie, die den Jardin du Roi vor vielen Generationen übernommen hat. Nelken, Pfeffer, Muskat von den Molukken und Zimtstangen aus Sri Lanka werden seit 200 Jahren dort angebaut.
Um Zimt-Eis ging es damals freilich noch nicht, aber um einen duftenden Schatz, der stets gefährdet war. Als 1780 vermeintliche englische Piraten vor der Anse Royale kreuzten, fackelten die Besitzer die ganze Plantage ab, um zu verhindern, dass die wertvollen Samen in die Hände der Konkurrenz fielen – ärgerlich, dass es sich nur um einen französischen Schoner gehandelt hat. Pfefferkörner sind heute zwar weniger wert als Gold, aber ein Juwel ist die Anlage geblieben: Blühende Sträucher, die in den benachbarten Urwald übergehen, leuchten vor den offenen Fenstern der historischen Villa. Tiefer unten schimmert verführerisch das Meer.
Verlockend sind die Seychellen seit je. Palmen, Granitfelsen, weißer Sand, türkisgrünes Meer. Fast wie nebenbei klingt das Bacardi-Sujet auch auf der Hauptinsel Mahé an. Rollt man die viel befahrene Ostküste auf Klein-Victoria zu, finden sich auch dort noch Gucklöcher Richtung Paradies. Die kleine Rast im Schatten der Takamaka-Bäume haben sich die Seychellois trotz Bauboom nicht nehmen lassen.
Wer an der Anse aux Courbes herunterbremst, findet dort ein historisches Plantagenhaus, in dem nun das Erbe der kreolischen Kultur gepflegt wird, vor allem aber eine entspannte Lebensart. Die verstaubten Rattanmöbel des Institut Créole laden zum Schmökern ein, blenden moderne Hektik aus.
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