
Autor:
Hartmut U. Hallek
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Unser Reisebericht zeigt: Irgendwie ist alles dramatisch in Andalusien. Geschichte, Tänze, Gesten, Licht, höchst raffinierte Ästhetik und elementare natürliche Wucht. Seine Schönheit ist bizarr: weit wie karg, hell wie gleißend, still wie archaisch, reich wie maßlos, lebendig wie ekstatisch.
Überdimensioniert ist im boomenden Marbella alles: Die elf Golfplätze in der Stadt. Die Millionenyachten in den Häfen. Der Überfluss in den ausschweifenden Villenvierteln. Das Geglitzer um Hals und Hände in den Glamour-Treffs der Money-Society. Die gestylten Bodys in den Beach Clubs und die kosmopolitische Szene samt den Arabern. Unter anderen Vorzeichen sind sie zurückgekehrt: denen der Petro-Dollar. Wieder ist Andalusien ein Paradies für sie - wie vor 1.000 Jahren -, doch Marbella heute ein anderes Mekka: Fun und Easy-Living in Nightclubs wie "Regine's", fern ihrer rigiden Gesellschaften und doch vertraut. Schon einmal waren sie in al-Andalus...
Wie ein Magnet locken die Luxusyachten eine grell gekleidete Urlauberschar. Sie reist von der Costa del Sol an und entsteigt waghalsig entblößt den klimatisierten Bussen. Eine illustre Mischung ergibt das: Aus der dort ohnehin weilenden Klientel, deren Geschmack an feineren Nuancierungen orientiert ist, Louis-Vuitton- und Hermès-Taschen mit sich führt, durch Versace-, Ferrè-, Féraud-, Armani- oder Dolce & Gabbana-Boutiquen bummelt, mit Platinum Card bezahlt. Aus windigen Geschäftemachern auch, die auf die Schnelle Häuser, Yachten, Autos verticken, von Kommissionen leben. Aus Eignern von Yachten aus aller Welt, Seglern, die gerade von einem Törn aus Marokko eintreffen.
Die einen begaffen Eis schleckend die anderen. Diese sehen aus "Sinatra Bar" oder "Salduba Bar" geflissentlich darüber hinweg. Gemeinsam taxieren sie diejenigen, die zum durch Schranken verschlossenen Fegefeuer der Eitelkeiten Zugang haben. Wieder und wieder fahren sie in auffälligen oder dezenten Nobelkarossen vor dem "News-Café" vor, auf dessen voll besetzten Terrassen gold-, diamant- und platingeschmückte Finger Essen zu gepflegten Mündern führen. Zwischen unterfütterte Lippen zwischen gelifteten Wangen.
Zwischen dem zeitgeistigen Schlaraffenland an der Costa und einfachstem Leben liegen ein paar Kilometer Wald, Mondlandschaft, das wildromantische Ronda - und Welten.
Vom maurischen Kastell oberhalb von Zahara de la Sierra eröffnet sich uns ein Natur-Szenario. Es ist der Luxus der Stille und weniger Menschen nur. In Blau-Stufen staffelt es sich bis zum Horizont. Der See unter uns, das Beige-Grün der von Ölbäumen, Feigenkakteen und gelb lodernden Ginsterbüschen bestandenen Berghänge. Eine Ziegenherde, ein Hirte, ein Maultier... Weiße Dörfer als Kleckse an Berghängen oder dramatisch wie Sétenil. Die aus dem schluchtartigen Tal jäh und massiv aufsteigenden Felsterrassen und Vorsprünge dienen den Menschen als Boden, Mauer, Wand und Dach. Wie einst, als die Erde selbst noch Unterschlupf bot. Miteinander verwoben sind Häuser und Stein, Heiterkeit und tropfende Düsternis. Rebhühner werden in engen Käfigen an der Hauswand zum Festtagsbraten gemästet. Vor den Bars trinken Männer an kleinen Tischen starken, schwarzen Kaffee. Eine andere Welt. Nicht die von Marbella. Das ist Andalusien!
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