Architektur plus Galerie plus Gastronomie lautet die Erfolgsrezeptur der Stadt am Golf von Biskaya. Wie unser Reisebericht zeigt, zelebriert die spanische Metropole diese Mixtur mit baskischem Eifer.
Es gibt Leute, die sehen in ihm einen Wal. Auch wenn es fraglich ist, wie er den engen Ría del Nervión so weit hinaufgekommen sein soll. Manche denken an einen Wasserfall, andere an eine Artischocke. Sogar vom gebauschten Faltenrock der Marilyn Monroe war schon die Rede. Dabei ist es doch nur ein Museum.
Eigentlich ist die Sache mit dem „Guggenheim“ ziemlich einfach. Denn Frank O. Gehry, der Architekt, muss schon früher in Bilbao gewesen sein. Präziser: in einer der zahllosen Pintxos-Bars der Stadt, die Tapas servieren. Vielleicht hatte er ja auch schon ein paar Gläschen Txakoli intus, des baskischen Weißweins. Und da muss es passiert sein: Der Tresen, an dem der große Gehry saß, wurde zum Reißbrett und darauf entstand Architektur.
Metallisch glänzende Sardinenhäutchen, Zucchinibänder und leuchtende Paprikastreifen tauchten vor seinem geistigen Auge auf, alles kunstvoll ineinander verschlungen. Dazu kleine Spargelwolkenkratzer und elegant gesetzte Käsekuben, Steinpilzdome, unter denen sich Garnelen wie Wendeltreppen nach oben schraubten. Hier ein Häufchen Safran, da eine exakt halbierte Olive, gegen die Balsamicoschaum brandet – weich und temperamentvoll.
Seitdem ist für Bilbao alles anders geworden. Selten hat ein einziges Bauwerk die Geschicke einer Stadt so gründlich geändert wie das von Gehry entworfene Guggenheim-Museum die von Bilbao. Der „Guggenheim-Effekt“ greift.
Dass Bilbao nach dem Niedergang der Stahlindustrie und dem Dahinsiechen der Schiffswerften abfällig „el boxto“ (= das Loch) genannt wurde, daran erinnert sich kaum noch jemand. Denn beim Museum blieb es nicht. Der Bau belebte gleichzeitig andere Künste – auch die der Küche. Seitdem lautet Bilbaos Erfolgsrezeptur: Architektur plus Galerie plus Gastronomie.
Wer heute über die Promenade des Ría del Nervión schlendert, der die Stadt gemächlich umfasst, der kann sich von Bilbaos Wandel zur Art-Metropole im Zeitraffer überzeugen.
Wie ein Faden verbindet der Fluss zunächst moderne Architektur mit moderner Architektur. Denn beim Bau des inzwischen berühmten Museums blieb es ja nicht. Auf dem Gelände der Schiffswerft Euskalduna erhebt sich das mit Architekturpreisen bedachte Musikzentrum Palacio Euskalduna. Kühn spannt sich auf halbem Wege dorthin die Edelstahlklammer der Puente Pedro Arrupe. Die Fußgängerbrücke ist oben mit Holz beplankt, was wohl auch an Bilbaos Bootsbauertradition erinnern soll.
Ein kleines Stück flussaufwärts leuchtet das hypermoderne Rote Tor (L’Arc Rouge) von Daniel Buren herüber, eine Riesenskulptur, durch die der Verkehr braust. Unweit davon hat ein japanischer Stararchitekt soeben seine Torres de Isozaki fertiggestellt, Glastürme wie ein blau schimmerndes Stadttor. Und von dessen Basis spannt sich eine weitere Brücke wie eine filigrane Harfe über das Wasser.
ReiseBuchung
Reisewetter aktuell
Das aktuelle Reisewetterfür Ihr Reiseziel
Reisebücher
-

Die Zukunft der Jurte
mehr Infos -

Das Kochbuch des Kannibalen
mehr Infos -

Tee
mehr Infos -

Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde ...
mehr Infos -

Das koloniale Indien
mehr Infos -

Die besten Single-Reisen
mehr Infos


Basken-Metropole
Kommentar hinzufügen