
Autor:
Frank Tophoven
InsiderTipps
Formentera hat schon karibisches Kaliber. Und lange Sandstrände in allen Schattierungen. Das beweist dieser Reisebericht. Dazu: zwei Leuchttürme, zwei Steilklippen - und garantiert keine Kathedrale, kein Kloster oder gar irgendwelche Spuren antiker Baumeister. Zwischen Ibiza und Formentera verkehrt eine Fähre, wie sie eigentlich gar nicht mehr verkehren. Eher ein Stück schwimmende Straße.
Drei Spuren breit, drei Laster lang, rostig und an den Seiten stehen schmale Aufbauten. Aber dort, wo das schwimmende Stück Straße jetzt einläuft, da ist ein Atoll. Die Farben des Wassers! Bodenloses Blau, blitzendes Türkis, transparentes Aquamarin. Weißer Sand, Liegestühle, Palmen. Davor dümpeln die Yachten der Millionäre. Also o.k., es ist nicht die Karibik, es ist kein Südsee-Atoll. Die Insel ist zu Urzeiten durch eine Gebirgsauffaltung entstanden. Aber vielleicht hat Joseph Conrad sein ganzes Leben hier verbracht, und wenn ihm mal wieder die Beschreibung einer Tropeninsel nicht gelingen wollte, ist er einfach kurz an den Strand - zur Inspiration.
Formentera hat keinen Flughafen. Eine Insel mit einem Flughafen ist nicht mehr wirklich eine Insel. Auf Formentera kommen alle mit dem Schiff an. Wenn sie beim Einlaufen an der langen Landzunge von Ses Illetes vorbeifahren, zerschneiden Ausrufe der Begeisterung die ehrfürchtige Stille. Die Dünen! Der weiße, feine Sand. Und eben diese Farben des Wassers... Man muss einmal morgens dort sein, wenn noch niemand da ist, wenn das Licht ganz weich ist.
So was kann man nur malen! Solche Bonbonfarben gibt es gar nicht in echt. Ganz lange läuft man mit den Füßen im Wasser den Strand entlang. Irgendwann reicht das Wasser bis zum Hintern. Man watet ein Stück und dann ist man auf einem Robinson-Eiland, der Insel S'Espalmador und der Strand geht weiter. So schön ist der Strand von Ses Illetes, dass er ab Mitte Juni bis Ende August viel zu voll ist, um ihn zu genießen. Aber den Rest des Jahres ist er ein Traum.
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