Unser Autor hat sich für diesen Reisebericht auf Spurensuche nach den letzten Hippies auf Ibiza gemacht. Und: Es gibt sie noch. Aber sie sind in die Jahre gekommen, semi-etabliert und auf New Age getrimmt.
Die feuerrot gelockte Mora aus Lörrach sitzt in ihrem weitmaschigen Häkelkleid auf der schattigen Terrasse einer ländlichen Bar und verhäkelt tagein, tagaus leuchtend buntes Garn zu Kleidern, Quasten und Jäckchen. Ihr Lendenschurz tragender Freund Djin aus Düsseldorf meißelt ein Gesicht in den Stein, der später sein esoterisches Zentrum schmücken soll, in dem Menschen und Engel einander zwanglos begegnen können.
Datchi aus Königsberg schlüpft abends unter das Moskitonetz, das er über seine Bettstatt zwischen den ausladenden Ästen eines Johannisbrotbaums aufgespannt hat. Willy aus Limburg klettert nach Sonnenuntergang in seine selbst gegrabene Höhle, um sich von der nahen Brandung und der noch näheren Rotweinflasche in den Schlaf lullen zu lassen.
Auf Ibiza leben die letzten Blumenkinder, die vor knapp 30 Jahren ihre mitteleuropäischen Heimatstädte verlassen hatten, um die damals noch urwüchsige, paradiesisches Leben verheißende Insel in Beschlag zu nehmen. Mittlerweile sind die Freaks von damals in die Jahre gekommen - die wilden Zeiten sind endgültig vorbei. Die Blumenkinder haben längst erwachsene Kinder, leben in ihren mehr oder minder gemütlichen Fincas und profitieren wie alle anderen Ibizenkos auch vom Geld der Touristen. Der wöchentlich stattfindende Hippie-Markt im Ferienclub "Punta Arabi" gilt als die wichtigste und profitabelste touristische Attraktion der Insel, zu der die Urlauber busweise rangekarrt werden.
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