
Autor:
Frank Tophoven
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Lanzarote, die bizarrste aller Kanaren-Inseln, ist ein Dorado für Aktive. Die sportlichen Herausforderungen werden verfeinert durch spektakuläre Landschaften, wie unser Reisebericht eindrucksvoll skizziert.
Es ist kurz vor neun. Eine frische Brise vom Atlantik weht durchs offene Fenster. Die Wellen brechen sich auf dem schwarzen Lavastrand. Doch plötzlich dröhnen laute Hip-Hop-Klänge und markige Kommandoschreie ins Zimmer. Draußen auf dem Kunstrasen sehe ich den Vorturner mit perfektem Body und seine gläubige Gemeinde, die tanzend und hüpfend den Göttern der Jugend und Schönheit huldigt. Im "Club La Santa" auf Lanzarote läuft gerade die Aerobic-Woche.
Gemütlich frühstücken und dann am Pool in den Vormittag hineindösen? Ist nicht! Dort liegen erschreckend viele schöne Körper in der Sonne. Muskulös, sehnig und austrainiert machen sie gnadenlos klar, dass auch ich nicht zum Faulenzen hier bin, sondern um etwas für die Fitness zu tun!
Der "Club La Santa" ist ein echtes Sporthotel. Es gibt ein Schwimmbecken von olympischen Ausmaßen, einen Fußballplatz und sogar ein Leichtathletikstadion. Außerdem Golfplatz, Squashcourt, Tennisplätze, Basketballfeld, Kraftraum und was man sich sonst noch so an Trainingsstätten vorstellen kann. Die Gästeschar rekrutiert sich aus ambitionierten Hobbysportlern und aus Profis verschiedener Disziplinen, die sich eine Extraportion Power antrainieren.
Ich persönlich will auf Lanzarote nicht nur meine Fitness verbessern und etwas Sonne tanken, sondern auch die Insel kennen lernen. Als Tagespensum habe ich mir jeweils Joggen, ein paar Bahnen Schwimmen und vor allem Radfahren vorgenommen. Schließlich haben Jan Ulrich und das Team Telekom den Club auch schon als Trainingslager genutzt.
Anfangs führt die Straße am Meer entlang. Ich lasse die Kurbeln kreisen, rekapituliere: Kleiner Gang und hohe Trittfrequenz sind am ökonomischsten. Nicht zu hoher Puls, das trainiert die Ausdauer und fördert die Fettverbrennung. Doch schnell siegt die Praxis über die Theorie: Die ersten Kilometer führen steil hinauf. Einen kleineren Gang gibt es nicht mehr, die Trittfrequenz ist viel zu niedrig - und der Puls viel zu hoch. Ich kämpfe gegen den Berg und zahle den Tribut für faule Monate und Jahre.
Zwischen Windmühlen und einer winzigen Kirche biege ich in Tiagua ab. Eine lange Straße führt durch die Dörfer Muñique und Sóo hinab nach La Caleta am Meer. La Caleta ist ein kleiner Haufen einfacher Häuser, dazu ein paar sandige Straßen und eine Siedlung von Ferienbungalows am Hang, die schon bessere Tage gesehen haben. Von hohen Felsen begrenzt erstreckt sich die Playa de Famara am Meer. Atlantikwellen krachen auf den Strand und der Wind bläst grauen Sand vor sich her. La Caleta ist eine wilde Ecke, beliebt bei Wellenreitern, Windsurfern und denen, die es gern auch mal etwas einfacher haben.
Hier kann man ganz unprätentiös frischen Fisch, ein paar Tapas und Wein am Blechtisch vor der Bar an der staubigen Dorfstraße genießen. Den Rückweg kürze ich ab und nehme in Sóo einen Feldweg, der in die Straße nach La Santa mündet. Nach knapp 50 Kilometern und mit ziemlich harten Muskeln sinke ich nachmittags im Hotel, umgeben von schönen Körpern rund um den Pool, erschöpft auf die Sonnenliege.
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