
Autor:
Andreas Hub
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Unsere Aktiv-Tour über die Kanarischen Inseln geht munter weiter. Nach Teneriffa per Rad erkundet unser atemloser Autor jetzt La Gomera per pedes. Folgen Sie seinem Reisebericht.
Bergig setzen wir unsere Reise fort. Auf La Gomera. Zwei Jacken gegen die Kälte des Morgens, vorher mit kaltem Wasser die Reste von Schlaf und Vino Tinto aus dem Gesicht geschwappt, eine frische Weintraube zwischen den Zähnen zerplatzen lassen. Kaffee wäre besser, aber Hermigua schläft noch, bis auf Hähne und Hunde, denen ist nicht einmal der Sonntagmorgen heilig.
Gerade schlägt die Kirchenglocke acht. Längs der einzigen Straße schlängelt sich das Dorf durch den Talkessel. Terrassenfelder klettern an den Hängen hoch, oberhalb ragen nur noch Berge, schroffe, senkrecht erscheinende Wände. Jetzt fällt ein schmales Band aus erstem Sonnenlicht ins Tal, lässt die verwitterten Lava-Ströme plastisch hervortreten, denen die Insel La Gomera ihre zerklüftete Gestalt verdankt.
Der Rucksack ist gepackt. Sechs Tage Trekking, bis die Tour am Meer im südlichen Valle Gran Rey endet. Gestern gab’s einen Vorgeschmack – sechs Stunden, 750 Höhenmeter, Einwandern hieß das. Heute acht Stunden, 1.000 Meter vertikal, 19 Kilometer horizontal.
Schon kurz hinter Hermigua müssen wir uns einen Weg durch Büsche und Brombeerranken bahnen. Auf dem Boden erkennt man, dass Menschen da Steine gesetzt haben, es sind alte Wirtschaftswege, einige bestanden schon vor der spanischen Eroberung im 15. Jahrhundert. Luis Garcia kennt sie alle. Vor 20 Jahren kam er aus Argentinien nach La Gomera und blieb. Seitdem sucht er Wege und führt Wandergruppen, meist für den Veranstalter Wikinger-Reisen, abseits der gut beschilderten Hauptrouten über die Insel.
„Ich frage die alten Leute in den Dörfern, es gibt immer noch Wege, die lange vergessen waren.“ Karte und GPS braucht er nicht. Scheinbar anstrengungslos, die Hände auf dem Rücken verschränkt, läuft der bald 60-Jährige die Berge rauf und runter, erzählt von den jahrhundertealten Bindungen zwischen Lateinamerika und den Kanaren, von der Armut auf La Gomera, das bis in die 50er Jahre unter feudalen Strukturen lebte, wo die Großgrundbesitzer alles und die einfachen Menschen fast nichts hatten, wo es verboten war, die Insel zu verlassen, und die Menschen sich bei Nacht und Nebel mit gecharterten Seelenverkäufern auf den oft tödlichen Weg nach Kuba und Venezuela machten.
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