
Autor:
Hartmut Hallek
InsiderTipps
Diese Provinz bietet ideale Voraussetzungen für einen Reisebericht - außer Meer. Wilde Landschaften wie die Meseta. Große Weine, Königsstädte und Burgen.
Wo bitte liegt Tordesillas? In Spanien weiß das jedes Kind. In einer Siegerlaune hatte Alfonso XI. nach seinem Triumph über die Mauren dort 1340 einen Palast im Stil einer Fürstenresidenz der Araber erbauen lassen. Und 1494 wurde in dem Nest nicht weniger als die damals bekannte Welt zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt. Lang ist's her. Auf der malerischen Brücke über den Duero fahren heute Weinbauern statt Weltherrscher. Die Ruhe tut gut und Relikte großartiger Tage sind immerhin erhalten geblieben. Die blendende Golddecke der Klosterkirche etwa oder der berückende Santa-Clara-Hof, der noch immer die Anmut eines Sultanspalasts besitzt.
Zum Mittagessen empfiehlt der Tankwart das "Torreón" gegenüber. Gepflegtes kastilisches Interieur empfängt uns mit jener klerikal-ritterlichen Noblesse, die man in diesem Landstrich Zentralspaniens so liebt. Brokatige, kardinalsrote Polster, reichlich Holzbalken, Bordüren überall. Vor der Patronin brutzelt ein saftiges Milchlamm auf dem schweren Rost über dem Feuer. An diesem kühlen Herbsttag tut die samtene Schwere dieses Orts gut. Es duftet verführerisch. Wir schlagen die Karte auf, die ganz obenan Beluga-Kaviar anbietet. An einer staubigen Landstraße auf der menschenleeren Meseta! Tordesillas ist kein Ort der Könige mehr, aber ein Ort königlicher Genüsse, so scheint es. Den Weinbaronen sei Dank.
Die Weinbaugebiete von Rueda und Ribera del Duero liegen vor der Tür und derart beliebt sind diese Weine, dass so ein Weinbaron bestens verdient. Kaviar, Gänseleber, teuerster Bordeaux - alles kann man sich hier schmecken lassen. Sogar einen Romanée Conti, einen sündteuren Burgunder, hortet die blasse Patronin im Keller. Irgendwo findet sich danach ein Plätzchen für eine Siesta im Auto am Straßenrand und schließlich auch ein neuer Wegweiser: Ruta de los Castillos - "Straße der Burgen".
Im Wort Castillo - spanisch für Burg, Schloss, Kastell - hat der Name Kastilien seinen Ursprung. Schließlich sind sie zahllos in diesem entlegenen Winkel Spaniens. Und was für Burgen! Martialisch. Nichts als schroffe Mauern, Türme und Zinnen und fast ohne Fenster. Es gibt sie in jeder Form, als Ruine oder restauriert, nur noch Erinnerung oder wieder genutzt. Die Erde davor war oft blutgetränkt. Das klingt pathetisch, doch die Geschichte Kastiliens spart nicht mit Gewalt: Mauren gegen Christen, Christen gegen Christen, Mauren gegen Mauren. Jeder gegen jeden. Heute ist die Erde wieder braun und staubtrocken. Terra incognita, spannendes Terrain für Neugierige.
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wisch sagte vor 2 Jahre 29 Wochen:
Hi,
die Fotos sind echt spitze. Aber wie schade, dass es keine Bildtitel gibt! Ich wüßte zu gerne, was das eine oder andere Bild zeigt. Kann man das vielleicht nachtragen?
Gruß
Wisch
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