
Autor:
Frank Tophoven
InsiderTipps
Bäuerliches Idyll in der Bergwelt Kataloniens mit jeder Menge Action im Fels. Unser Autor begegnete in den Bergen rund um Tremp echten Vampiren und testete seine Standfestigkeit in der Senkrechten. Alles für diesen Reisebericht.
Kennen Sie Höhenangst? Diesen Tunnelblick, Schweißausbrüche, Gummiknie, man stolpert bei fast jedem Schritt, fühlt sich wie im schlimmsten Albtraum, will nur noch aufwachen und schwört sich: Nie wieder steige ich auf hohe Berge! "Klettern", sagt Ivan, als wir an meinem ersten Tag im "Refugi Cellers" zu Abend essen, "die meisten Leute kommen zum Klettern hierher." "Ich nicht!", sage ich streng.
Ivan ist Belgier und leitet die Unterkunft in den katalanischen Pyrenäen zusammen mit seiner Freundin Nathali. Sein Boss hatte vor ein paar Jahren zugegriffen, als der alte Bahnhof von Cellers zum Verkauf stand, und ihn mit viel Arbeit zu einer Herberge ausgebaut. Immer noch hält dreimal am Tag der Zug von Tremp nach Lleida. Ivan ist eigentlich ein netter Kerl, nur leider hat er einen Hörfehler: "Für übermorgen melde ich dich zum Kletterkurs an. Und morgen zeige ich dir eine Höhle, wir gehen zum Wandern, Paddeln und Radfahren."
Es ist November. "Die beste Zeit zum Klettern", sagt Ivan, "im Sommer ist es zu heiß." Jetzt ist es morgens lausig kalt und durch das Tal kriecht dicker Nebel. Ich frühstücke gemeinsam mit Nathali, Ivan und Alberto, dem Besitzer der Herberge. Kräftiger Kaffee duftet, es gibt Rührei, Aufschnitt und Toast - alles, was Herz und Seele an einem kalten Novembermorgen wärmt.
Wir laufen zum See. Der Nebel riecht nach Pflanzen, Erde und Steinen. Viel sehe ich nicht, als wir in das Kanu steigen, aber immerhin Alberto, wenn ich mich umdrehe, und sogar schemenhaft das andere Seeufer, wenn ich nach vorn schaue. Eine halbe Stunde lang paddeln wir mit klammen Fingern, queren den See, fahren am Ufer entlang und landen an einer Böschung. Ein Pfad führt den Berg hinauf zur Cova dels Muricecs, zur Höhle der Fledermäuse. Alberto zeigt auf eine Plane, die einen Teil des Bodens bedeckt: "Da haben vor kurzem Archäologen gegraben." Ob sie etwas gefunden haben? "Wahrscheinlich. Sie finden fast immer etwas."
Es gibt unzählige Höhlen in den Bergen um Tremp. Schon in der Steinzeit waren viele bewohnt. Später haben umherziehende Hirten dort Schutz gesucht vor der sengenden Hitze in den langen Sommern und vor der Kälte in den wenigen Wintermonaten. Wir gehen hinein und folgen einem Gang, bis das Licht unserer Stirnlampen eine geräumige Halle ausleuchtet, meterlange Stalaktiten an der Decke erfasst und sich in der Dunkelheit schmaler Gänge verliert. Aufgeregtes Flattern und Zischen schwillt in der Finsternis an. Mir ist unheimlich, wie in einem guten Horrorfilm ungefähr an der Stelle, an der man ahnt, dass gleich etwas Furchtbares geschehen wird. Aber dieses Mal gibt es ein Happy End. Ich spüre den Luftzug im Gesicht, sehe im Schein meiner Leuchte die aufgescheuchten Vampire, die wie eine Wolke von der Decke fallen, sich auf uns stürzen, dann wieder emporflattern und in Nischen und Mulden verschwinden. Die Höhle der Fledermäuse. Es müssen an die 100 sein.
Ivan steigt in ein Loch, ist einen Moment verschwunden, streckt seinen Kopf aus einem anderen Loch in der Decke und winkt. Alberto und Ivan zeigen mir, wie man sich durch schmale Spalte bis hinauf zur Decke windet und enge Kamine hinaufklettert. Nach zwei Stunden verlassen wir die Unterwelt. Der Nebel ist verschwunden und aus der Ferne leuchtet der erste Schnee von den höchsten Pyrenäengipfeln.
ReiseBuchung
Reisewetter aktuell
Das aktuelle Reisewetterfür Ihr Reiseziel
Reisebücher
-

Die Zukunft der Jurte
mehr Infos -

Das Kochbuch des Kannibalen
mehr Infos -

Tee
mehr Infos -

Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde ...
mehr Infos -

Das koloniale Indien
mehr Infos -

Die besten Single-Reisen
mehr Infos

Kommentar hinzufügen