
Autor:
Oliver Keppler
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Mallorca und gutes Essen – früher waren das zwei Gegensätze. Heute nicht mehr. Auf der größten Insel der Balearen finden sich unzählige Genuss-Gelegenheiten. Eine kulinarische Reise zu Feinschmecker-Tempeln und urigen Landgasthöfen.
Die Suche nach einem Parkplatz gehört nicht zu den liebsten Beschäftigungen des Fernando Pérez Arellano. Also folgt der neue Star der mallorquinischen Gourmet-Welt eigenen Regeln, wenn er mit seinem Wagen in die Garage unter Palmas großem Markt fährt. Nah am Treppenhaus möchte er bleiben. Daher lässt er den Motor keine zehn Meter vom Aufgang ersticken. „Perfekt“, findet er, wohl wissend, dass das Wörtchen perfekt und seine Stellplatzwahl nicht zueinander passen. Der Wagen steht im Weg. „Aber da kommen die Autos doch noch vorbei“, schätzt er mit vagem Kennerblick und geht lächelnd davon. Arellano weiß: Wer sich zu lange mit der Suche nach einem Parkplatz aufhält, bekommt am Ende nicht den frischesten Fisch.
Aber genau darum geht es dem Sterne-Koch an diesem Morgen. Um Langusten und Gambas, um Rotbarben und Schwertfisch. Arellano, 33 Jahre alt, sieht mit seinen langen Haaren und dem kunstvoll rasierten Bart ein wenig aus wie ein Rockstar. Dabei ist er ein ruhiger Typ, der nie woanders gearbeitet hat als in Zwei- oder Drei-Sterne-Läden. In seinem Restaurant „Zaranda“ erkochte er sich schnell einen Michelin-Stern. Arellano ist einer, der sich nur mit den besten Produkten zufriedengibt.
Also keine Zeit verlieren. Denn auch ein Profi teilt sich die langen Gänge des Mercat de L’Olivar mit all den anderen Mallorquinern – und mit den vielen Touristen, die erkannt haben, dass das hier was Besonderes ist. Von außen wirkt die ocker getünchte Markthalle eher schlicht, doch innen ist sie ein Fest für Feinschmecker. Wer Mallorcas kulinarische Seite erleben möchte, sollte hier damit beginnen.
Vorbei an den fußballgroßen Salatköpfen und den knallroten Tomaten, dem spanischen Schinken und der scharfen mallorquinischen Paprika-Wurst, der Sobrassada. Hinein in das Herzstück, die Fischhalle. Welch Schauspiel sich dort einem discounter-gewöhnten Auge bietet! Keine abgepackte Ware. Was hier verkauft wird, ist Stunden zuvor noch im Meer geschwommen. Am Stand von Carmen nimmt ein Händler mit geübten Daumengriffen seine Ware aus, bei Manolo warten blutjunge Verkäuferinnen in blutverschmierten Schürzen auf Kundschaft.
Am Ende eines Gangs stehen mit Eis bepackte Kisten, in denen Kalmare liegen. Streicht man ihnen mit dem Daumen über die Haut, verfärbt sie sich rot. Ein Zeichen für absolute Frische: „Die leben noch“, sagt Arellano. Doch er hat anderes im Sinn. Am Stand von Ferragut Fernández gibt es heute die besten Rotbarben. „Sie sind wirklich frisch“, sagt Arellano. So frisch, dass die Muskeln noch zucken.
Ein letzter Blick auf die Einkaufsliste, dann geht es entlang der Küste zurück in sein Reich bei Llucmayor, südöstlich von Palma. Arellanos Restaurant befindet sich im Hotel „Sa Torre Hilton“, keine 15 Fahrminuten entfernt von der tief ins Land einfallenden azurblauen Traumbucht Cala Pi.
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