
Autor:
Dieter Losskarn
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Reisebericht Top-Nationalparks
Tierisch interessant
Von wegen Big Five. In Südafrika bekommen Sie die Big Six zu sehen. Denn zu Elefant, Löwe, Leopard, Nashorn und Büffel kommen noch Wale. Entdecken Sie die schönsten Nationalparks.
Kapstadt ist die einzige Millionen-Metropole der Welt, die direkt in einem Nationalpark liegt. Seit 1998 ist ein Großteil der 60 Kilometer langen, bergigen Kaphalbinsel vom Tafelberg bis zum Kap der Guten Hoffnung Teil des Cape Peninsula National Park. Der schmale Landfinger mit seinen zahlreichen idyllischen Tälern, Buchten und Stränden wird eingerahmt vom kalten Atlantik auf der einen Seite und dem wärmeren Wasser der False Bay im Osten.
Auf dem 60 Quadratkilometer großen Tafelberg-Massiv gedeihen knapp 1.500 verschiedene Pflanzenarten. Der Cape Peninsula National Park liegt im kleinsten der sechs Florenreiche der Welt. Neben typischen Singvögeln wie Honigfressern und Nektarvögeln gibt es auch etwas weniger musikalische Gesellen. Am Boulders Beach lebt eine Festlandsbrutkolonie von Brillenpinguinen, die von hölzernen Stegen aus bequem beobachtet werden können. Wer nicht hinsieht, ist sicher, dass Esel für den Lärm verantwortlich sind und nicht die putzigen kleinen Frackträger. Am Kap der Guten Hoffnung leben vier Bärenpavian-Clans, eine größere Herde Elen-Antilopen, Spring- und Buntböcke sowie diverse Zebras und Strauße, die sich oft fotogen in Strandnähe einfinden um zu fressen. Nach Regenfällen kommen Dutzende von Schildkröten auf die Straßen, um Wasser aus den Pfützen zu trinken.
Elefanten am Strand können bald östlich vom Cape Agulhas beobachtet werden. Im Jahr 2000 wurde entschieden, den Addo Elephant National Park in der Eastern Cape Province deutlich zu erweitern und den Meeresanschluss zu ermöglichen. Im vergangenen Jahrhundert sah es noch so aus, als würden alle Dickhäuter der Region ausgerottet werden. Erst 1931, als gerade noch elf Elefanten übrig geblieben waren, kam es zu einem Aufschrei in der Bevölkerung. Der Addo Elephant National Park wurde etabliert, um den Rest von Südafrikas südlichster Herde zu schützen. Bis heute hat sich die Zahl der Rüsselträger auf 320 erholt und der Park ist eine beliebte Touristen-Attraktion. Ein Netzwerk von Pisten, insgesamt 70 Kilometer lang, ermöglicht Besuchern, die Tiere vom eigenen Auto aus zu beobachten. Die Beobachtungsmöglichkeiten sind exzellent. Aufgrund des nahrhaften, wasserreichen Buschs verträgt der Addo-Park die größte Elefantendichte Südafrikas - fünf Mal mehr als der berühmte Krüger-Park. Populär sind begleitete Pferde-Safaris mit Übernachtung in einfachen Unterkünften. Außerdem gibt es im Addo eine der wenigen maul- und klauenseuchenfreien Büffelpopulationen Südafrikas.
Big Six beobachten!
Der Greater Addo Elephant Park wird das abwechslungsreichste Naturschutzgebiet Südafrikas sein. Neben Elefanten und Nashörnern wird es Löwen und Geparden geben sowie die weltgrößten Kolonien von Brillenpinguinen und Kaptölpeln. Zu den Big Five an Land kommt noch einer im Wasser dazu: der Wal. Die Flusspferde haben anscheinend bereits Wind von dem Erweiterungsprojekt bekommen. Kürzlich durchbrachen sie den elektrischen Addo-Zaun und feiern seither am Darlington-Damm feucht-fröhliche Parties.
Das einzige Ökosystem, das Besucher im meist grünen Western und Eastern Cape vermissen werden, ist die Wüste. Rote Sanddünen und spärliche Vegetation, an der Oryx-Antilopen knabbern, gierig beäugt von großen, schwarzmähnigen Löwen, gewaltige Webervogelnester in den Bäumen, Geparden und Schakale auf Springbockjagd - solche Bilder gibt es nur im Norden. Seit seiner Zusammenlegung mit dem gewaltigen Naturschutzgebiet in Botswana und der Beseitigung aller Grenzzäune heißt der Kalahari Gemsbok National Park nunmehr Kgalagadi Transfrontier Park. Der erste afrikanische Superpark macht die südliche Kalahari wieder zu einem zusammenhängenden Ökosystem. Mit 38.000 Quadratkilometern ist Kgalagadi das größte Naturschutzgebiet im südlichen Afrika. 1999 fand neben der Park-Zusammenlegung ein weiteres historisches Ereignis statt: Erstmals in der Geschichte des südlichen Afrika bekamen San ("Buschmänner") Land zugesprochen, das ihnen abgenommen worden war. Mit dem Land gewannen sie ihren Stolz zurück und hoffentlich die Chance, ihre einzigartige Kultur und Sprache zu retten.
Die schwerste afrikanische Antilope ist die Elen-Antilope. Bis zu 700 Kilogramm wiegen ausgewachsene Männchen. Trotz seiner Pfunde gelingen dem Koloss locker Zwei-Meter-Sprünge. Wenn eine Herde von ihnen über die Ebene galoppiert, springen die Antilopen oft frei übereinander weg - ein fast unglaublicher Anblick. Wer Glück hat, sieht eine der gigantischen Gnuherden, die immer wieder zwischen Botswana und Südafrika hin- und herziehen. Noch mehr Glück ist erforderlich, um Löwe, Leopard und Gepard zu entdecken. Sie jagen fast ausschließlich nachts, beginnen aber oft bereits im späten Nachmittagslicht mit der Beutesuche. Im Begleittross von Löwen und Geparden trotten immer einige Streifen- und Schabrackenschakale mit, in der Hoffnung, ein paar Brocken von der Beute abzubekommen.
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