
Autor:
Andreas Hub
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Unterwegs zu den schönsten Naturparadiesen und Landschaften in Südafrika, Botswana, Namibia und Sambia. Wir waren für diesen außergewöhnlichen Reisebericht dabei - zu Land, zu Wasser und vor allem in der Luft. Mit einer nostalgischen Convair 440 von Rovos Air.
Normalerweise", versucht sich Marina Gehör zu verschaffen, "würden wir die Drinks im Glas servieren - aber Sie sehen ja selbst ... " Den Champagner also gleich aus der Pulle? Bisschen Mut antrinken, schaukelt ganz schön, die Kiste. Nein, dafür sind die Passagiere zu anständig. Regen peitscht gegen die Scheiben der Convair 440, Baujahr 1954. Beim Start nach Hoedspruit hatte Kapitän Geoff Kingsburgh lapidar mitgeteilt, leider würde unser erster Flug weit gehend in Wolken stattfinden. Ja, wer denkt denn da schon an Gewitterwolken?
Und dann merkst du ganz schnell: In diesem 50 Jahre alten Vogel bist du viel näher dran an allem - in guten wie in schlechten Zeiten. Die guten kehren zurück, als über dem Highveld-Gebirgszug die Wolken aufreißen - fantastisch. Aber ob das da beim Landeanflug auf den Krüger-Nationalpark wirklich ein Elefant an samaragdgrünem Wasserloch ist oder doch Einbildung, weiß keiner. Keine Sorge, es werden noch genug Elefanten durch diese Geschichte laufen, die eigentlich damit begann, dass Mr. Rohan Vos, dessen Frau glaubwürdig versichert, nicht einmal im Urlaub würde man ihn je ohne Krawatte erleben, dass also dieser südafrikanische Unternehmer mit äußerst korrekten Manieren eines Tages beschloss, die beste, schönste und luxuriöseste Eisenbahnfahrt zu erfinden, die man für Geld bekommen kann. Seitdem dampfen die historischen Züge von Rovos Rail durchs südliche Afrika.
Ein paar Jahre darauf ging Vos in die Luft und gründete Rovos Air. Es war schon schwierig, historische Eisenbahnwaggons aufzustöbern - aber wo bekommt man alte Flugzeuge her, in die nicht nur Lebensmüde steigen? Fündig wurde er in Bolivien. Die beiden Convair 440 und eine Douglas DC 3 waren - obwohl Anfang der 50er Jahre gebaut - so gut in Schuss, dass sie aus eigener Kraft über den Atlantik bis nach Südafrika fliegen konnten. Sauber machen, neu lackieren, Rovos Air drauf schreiben, so wär's auch gegangen.
Aber hier kommt wieder der Mann mit der Krawatte zum Zug: Er ließ die Flugzeuge Schräubchen für Schräubchen zerlegen. Heute herrscht High-Tech im Cockpit, für die Passagiere gibt es modernste Sicherheitseinrichtungen und Behaglichkeit ohne Ende: Dicke Teppiche schmeicheln dem Fuß schon auf der ersten Stufe der Bordtreppe, grüne Ledersessel, in denen man sich - gut bei Gewitter - so richtig verkriechen kann, handgenähte Polster auf den Fußbänkchen. Beinfreiheit? So lange Beine kann man gar nicht haben. Besonderer Applaus für die Toilette, chromblinkend und holzvertäfelt.
Nach einer Erprobungsphase gibt es jetzt einen festen Flugplan und die 13-tägigen Rundreisen auf zwei Routen durchs südliche Afrika dürfen für sich in Anspruch nehmen, zu den teuersten Pauschalreisen auf diesem Planeten zu gehören: Wer sich auf den Weg macht, sollte schon gut 10.000 Dollar in die Hand nehmen. Das machen erstens Leute, die schon hinterm Eisbrecher am Nordpol zum Tauchen waren und jetzt endlich was anderes erleben wollen; zweitens Flugzeug-Verrückte; drittens solche, die einfach genug Geld haben oder lange gespart haben, um sich das ultimative Safari-Erlebnis zu gönnen. In unserem Fall sind ein Dutzend interessanter Leute unterwegs, die nicht die ganze Zeit überlegen, wie sie den Veranstalter verklagen können, falls der Wasserhahn tropft. Mit dabei: Unternehmer im Ruhestand, Lehrerinnen, zwei Ärzte - der eine mit eigenem Doppeldecker, der andere Angestellter, eine Architektin.
Apropos Wasserhahn: Wissen Sie, wie man die Kabinentür einer Convair dicht kriegt, wenn es pfeift? Fragen Sie Lyle Dodds, den zweiten Flugkapitän, er weiß es: mit einem nassen Waschlappen, der einfach in den Spalt gequetscht wird. Oder fragen Sie den Bordingenieur Christo Barnard, ob wir abstürzen müssen wegen der hässlichen Ölnasen an den Triebwerken. Und Christo wird Sie lachend erinnern, dass auch Autos einstmals Öl verbrauchten, bevor es 15.000-Kilometer-Intervalle gab.
Meistgebrauchtes Teil aus dem Werkzeugkasten aus der Gründerzeit ist ein Hammer mit dem schlagkräftigen Markennamen Thor: Damit zerkleinert Marina Martin das Eis, um den Champagner zu kühlen. Man wird sehen: Auf dieser Reise ist das meiste toll, vieles etwas anders, manches improvisiert und nur weniges klappt noch nicht so gut.
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