
Robert Haidinger
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Seoul wächst und wächst und wächst, überrascht aber dennoch mit liebenswerten Altstadtvierteln, aufstrebenden Design-Bezirken und üppiger Palast-Pracht, Buddha-Tempel inklusive. Und man glaubt es kaum: Sogar grüne Revitalisierungs-Projekte werden massiv in Angriff genommen.
Schnee in Insadong. Das kommt Anfang April nicht oft vor, heute schon. Dicke Flocken tanzen auf die Dächer des historischen Viertels herunter, legen sich als schmelzende, weiße Schuppen auf warm dampfende Waffeln, rutschen die Steilhänge der schnell aufgespannten Regenschirme herab. Der Schnee macht Insadong leiser, die Farben weicher, den Dampf der kleinen Garküchen dicker. Und er verleitet dazu, Seouls Altstadt kurz auch von innen anzusehen. Am besten hinter einer heißen Tasse Tee.
Wer aus den Schuhen schlüpft, ohne dabei gegen Kunststoffblumen, Buddha-Bäuche oder Windspielfallen zu prallen, schafft dann vielleicht den Besuch von „Sinyetchatjip“, einem der älteren Teehäuser der Stadt. Hier gleiten Goldfische im dichten Unterwasser-Kolonnenverkehr zwischen versenktem Nippes hin und her, fast wie die Taxifahrer des dörflichen Insadong.
Der Charme eines Trödelladens und ein leises Aroma von Grünem Tee prägen auch andere Nischen des Seouler Traditionsviertels. Pinsel, so groß wie Handbesen, finden Kalligrafiemeister hier. Und in den kleinen Seitengassen ein Leitungsgewirr, das eigene Kalligrafien in den Himmel zeichnet. Touristen schwenken Papierdrachen aus Reispapier hin und her und balancieren vorsichtig Südkoreas berühmte lindgrüne Buncheong-Keramik. Das sind attraktive, seit Jahrhunderten im selben Stil gebrannte Gefäße, die sich bauchig hinter Insadongs Atelier-Schaufenstern wölben.
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