
Autor:
Fabian von Poser
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Der Tierreichtum Tansanias ist überwältigend und dank Filmpionier Bernhard Grzimek weltberühmt. Unsere Reporter sind den Spuren des Arten- und Naturschützers in der Serengeti und am Ngorongoro-Krater gefolgt. Lesen Sie ihren Reisebericht.
Die Geierfrage wäre damit auch geklärt. Eben kreisten sie noch in großen Bögen da oben am Himmel. Der Jeep hatte kaum die schlecht gekennzeichnete Piste verlassen, durch die offenen Fenster drang eine süß riechende Melange aus heißem Gummi und glühendem Sand in den Fond des Wagens, da hatte Malley gesagt: „Das muss etwas Großes sein.“
Wir hoppelten also über Stock und Stein, bis wir am Ort des Geschehens eintrafen. Der Geruch der Reifen war kaum verflogen, da machten wir auch schon den braunen Fleischberg im Schatten einer Akazie aus.
Malley reichte das Fernglas nach hinten. Und tatsächlich, da saßen sie nun, die Langhälse, und sezierten den Büffel nach allen Regeln der Kunst.
Nichts für schwache Nerven ist das: Zuerst zupfen und zerren die Aasfresser unter der Haut. Später, wenn ihr Werk vorangeschritten ist, arbeiten sie sich weiter in das Innere des Tiers vor. Bis außer Knochen, Haut und Haaren nichts mehr übrig ist von 900 Kilo Kaffernbüffel. Nach zwölf Stunden ist alles vorbei.
Überall liegen angeknabberte Gebeine, von dem beißenden Gestank, den ersten Anzeichen der Verwesung, ganz zu schweigen. Doch natürlich sind es nicht Geier gewesen, die all das angezettelt haben.
Irgendwann in der Nacht hatten Löwen den Büffel gestellt. Gierig waren sie über das erschöpfte Tier hergefallen. Nachdem sie sich ihren Löwenanteil gesichert hatten, zogen sie sich zurück. Nun dösen sie ein paar hundert Meter weiter im Schatten eines Strauchs, nichts im Sinn als schlafen.
Büffel tot, Löwen satt, Geier bei der Arbeit: Seit Jahrtausenden dreht sich in diesem Teil Afrikas das ewige Karussell der Natur auf diese Weise.
Vor ein paar Tagen waren wir in Arusha gestartet. Der Kilimandscharo lag in Wolken, als unser Guide Malley den Geländewagen über die schlecht geteerte Straße in Richtung Westen prügelte. Wir hatten über die Leberwurstbäume am Tarangire- Fluss gestaunt und den Lake Manyara National Park mit seinen Tausenden von Flamingos hinter uns gelassen.
Wir waren durch das riesige Rund des Ngorongoro-Kraters geschaukelt und hatten einer Straußenhochzeit beigewohnt – er im schwarzen Frack, sie dezent im grauen Brautkleid. Wir sahen dem brachialen Liebesspiel eines Löwenpärchens (Penis mit Widerhaken!) zu und nahmen den obligaten Sundowner auf der atemberaubend schönen Terrasse der „Ngorongoro Wildlife Lodge“, 600 Meter über dem Kratergrund.
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