
Robert Haidinger
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Die Insel Sansibar sitzt kulturell zwischen allen Stühlen. Afrika hier, Arabien da. Das macht ihren Reiz aus. Genau wie ihre kapitalen Strände und die edle Privatinsel Mnemba. Ach ja, und wussten Sie, dass der Queen-Sänger Freddy Mercury auf Sansibar geboren ist? Lesen Sie unseren Reisebericht über die Insel mit dem gewissen Extra.
Flackernde Schatten, ein Monster um Mitternacht. Doch halt! Es ist nur der Hausgecko, der im flackernden Petroleumlicht krokodilsgroße Konturen an die lindgrünen Wände wirft. Also hoch mit dem Himmelbett-Tüll und die Riegel der knarrenden Zimmertür aufgeschoben!
Draußen erwartet mich die leere, weite Audienzhalle, eine messingbeschlagene Sansibar-Truhe, die Sindbad persönlich vergessen haben könnte und Salmes rastloser Geist. Wenn der Nordostwind die dicken, taubengrauen Wolken bringt und der bleiche Vollmond die höheren Wellen, dann durchstreift auch sie den Palast - da ist sich Haushälter Joseph sicher. Bereits zum Frühstück hat er mir die Geschichte von Sansibars verlorener Prinzessin serviert. Ich spüle das Anekdötchen mit Mangosaft und starkem arabischen Kaffee hinunter.
Nach dem langen Dinner spukt sie mir im Kopf herum: Sayyida Salme, die Prinzessin aus Sansibar. 1866 brannte sie in einer Nacht- und Nebelaktion mit einem deutschen Vertreter und einigen Kisten omanischen Silberschmucks durch. Ein Skandal, der von Kairo bis Kapstadt die Runde machte. Der Papa Sultan tobte, für Sansibars arabische Aristokraten war die Abtrünnige erledigt. Bald starb Salmes deutscher Verführer. Ziellos zog die Verwitwete vom deutschen ins orientalische Exil nach Beirut. Als sie verarmt starb, fand man unter den wenigen Habseligkeiten eine Flasche. Gefüllt mit weißem Sand von der geliebten verlorenen Heimatinsel.
Draußen rütteln die Fensterläden. Windböen heulen durch das offene Haus. Der Sturm beschert uns einen Stromausfall. Schon seit 7 Uhr heißt es: "Sorry, no electricity in Bububu." Gespenstische Szenerie: Wo am helllichten Tage Afrikas flirrende Sonne durch die Baumkronen bricht, tasten jetzt die schwarzen Finger der Palmwedel. Der verwilderte Garten hat sich in einen verwunschenen verwandelt. Glühwürmchen werden zu glimmenden Augen, ein gefiederter Busch wiegt sich im Schleiertanz.
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