
Autor:
Robert Haidinger
InsiderTipps
Thailands schillernde Metropole ist ein Stadt-Abenteuer der besonderen Art. Vor allem, wenn man sich gezielt auf Abwege begibt.
Der Polierlappen am Götterohr ist schmutzig, zerfranst und voller feinem Messingstaub. Der mächtige Donnerstags-Buddha im versteckten Bangkoker Hinterhof hat dafür auch Verständnis. Das ist ihm bereits auf den ersten Blick anzusehen: Hochgezogene Mundwinkel, friedfertig geschlossene Augen, schwerelos schwebende Nasenflügel vereinen sich im Zwielicht der halb offenen Werkshalle. Zuletzt erstrahlen sogar noch die hochglanzpolierten Ohrläppchen und bescheren den erschöpften Metallarbeitern ihre tägliche kleine Erlösung vom ewigen Kreislauf des Malochens. Die Arbeiter der Buddha Casting Foundry schaffen sechs Erleuchtete pro Woche. Das bedeutet Hunderte Stunden Handpolitur im stickigen Schuppen. Nach dem dicken Freitags-Buddha kommt der Wochenendkrampf im Oberarm von selbst. Wer sich im alten Stadtteil Thonburi wenige Meter hinterm Wat Wiset Khan auf die Fährte des lokalen Devotionalienhandels heftet, landet mit ein wenig himmlischer Fügung in diesem Einkaufsparadies der buddhistischen Mönche.
Glitzerwerk und Glamour ziehen sich wie allgegenwärtiger Flitterkram über die Stadt der Engel - als ob es die grauen Betonwürfel und die ewige Dunstglocke des Molochs mit aller Kraft zu überstrahlen gelte. Glossy City welcomes you: mit Göttern, denen die Gläubigen nach dem Sündenfall Blattgold auf die Nasen kleben. Mit Lichtergirlanden an pompösen Boulevards wie der Ratchadamnoen Nok Road, die fast immer irgendjemanden und irgendetwas Hochoffizielles feiert, meistens den Geburtstag des Königs Bhumibol. Zu übersehen ist Bangkoks Hang zum verschwenderischen Prunk jedenfalls kaum. Am allerwenigsten im lilagrauen Smog der Nachmittagsstunden, wenn die Chedis und Wats der Stadt aus dem Buntblech der Staus aufragen. Am dichtesten gelingt dies im kombinierten Märchentürmchen-Dickicht von Wat Pho und Wat Phra Kaeo, das im letzten Abendlicht jeden Hollywoodproduzenten zum Kreischen und zum Unterschreiben bringen würde, auch ohne die zauberhaften kleinen Lotosblüten-Oasen und die schlafenden Riesenbuddhas, die sich hinter diesen heiligen Mauern verbergen, gesehen zu haben.
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