
Autor:
Robert Haidinger
InsiderTipps
Die Provinz Nan im Nordosten ist echter und authentischer als die gängigen Destinationen rundum Chiang Mai und Mae Hong Son. Wir besuchten für diesen Reisebericht beim Hilltribe-Trekking die "Geister der gelben Blätter", die Mlabri.
Herr Fhu hat Speck mitgebracht. Dicke Schwarten, die der am Boden kauernde Waldschrat in ein Bambusrohr schiebt und ins Lagerfeuer legt. Große Worte und lange Dankesreden erspart uns die Familie. Sie gehört zu den rund 150 Mlabri in der Provinz Nan, einem der letzten Jäger- und Sammlervölker Asiens. Vater, Mutter, zwei Kinder, ein niedrig gehaltenes Lagerfeuer. So sitzen sie wohl schon seit Tagen in diesem versteckten Bambuswäldchen, vermutet unser Guide Fhu und deutet auf die ersten dunklen Flecken des Rattanblattdachs. Für die Mlabri, die sich selbst lieber Phi Tong Luang nennen, Geister der gelben Blätter, sind diese welken Stellen ein Zeichen für den nahenden Aufbruch. Wenn die Blätter gelb werden, so deuten die Jäger und Sammler dies als Signal ihrer wachsamen Schutzgeister. Wer wie die Mlabri von den Samen, Wurzeln und Tieren der letzten nordthailändischen Regenwälder lebt, den hält es nicht besonders lange an ein und derselben Stelle. Schon gar nicht, wenn einem stets die Brandfackeln und Handsägen auf den Fersen sind. Rücksichtsloser Brandrodungsfeldbau und immer neue, breitere Pisten schlagen auch an den Rändern der entlegenen Bergprovinz Nan klaffende Wunden in die bis vor kurzem noch intakte landschaftliche Szenerie.
Mister Fhu verrät noch einige Details über den ungewöhnlichen Stamm, der mit rund 150 Mitgliedern kurz vor dem Aussterben steht - und dabei neben einer eigenen Sprache wohl auch so manches Geheimnis über das Überleben in den bergigen Wäldern mit sich nehmen wird. Mlabri, weiß Fhu, waschen sich nie. Mlabri verwechseln überdies Hartgeld mit Altmetall und hocken zumeist in kleinen Gruppen im Wald herum. Dahinter steht die zwingende Logik einer der letzten asiatischen Sammler- und Jägergemeinschaften. Erst das "tierische Aroma" der kräftigen Duftwolke ermöglicht jenes unbemerkte Anpirschen, das den Mlabri bis heute gute Jagderfolge beschert. Auch die gut strukturierte Verteilung der einzelnen Kleinfamilien über weite Flächen hat durchaus ihren Grund: Nur so bietet der umliegende Naturraum genügend Nahrung zum Überleben. Eine zuverlässige und engmaschige Kommunikation existiert trotzdem. Etwa über frische Schweineschwarten vom Dorf. Bis zum Abend bekommt jede Mlabri-Familie in der näheren Umgebung ihren Teil davon ab.
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