
Autor:
Robert Haidinger
Jenseits von Altstädter Ring und Kleinseitner Ring liftet sich die tschechische Hauptstadt zur styligen Design-Schmiede. Einst Verstaubtes wird durchgelüftet, beweist unser Reisebericht.
Models im Mausoleum? Die Marmorgruft der gewesenen KP-Chefs und Politbürobonzen hat sich für ein kurzes Herbstwochenende in den skurrilsten Catwalk der Modewelt verwandelt. Fließendes Silbergrau ist angesagt im Blitzlichtgewitter. Gnadenlos klappern die Absätze der Mannequins auf dem kalten Stein. Tiefer unten kriecht molliger Nebel in die Falten der Stadt. Das Mausoleum, das sich Topmodel Tereza Maxowa und Klara Nademlynska, Prags jüngster Mode-Geheimtipp, zur Präsentation einer Benefiz-Show ausgesucht haben, ist typisch für die vielen Gesichter der Stadt.
Das meint auch Klara, die im nahen "Café Savoy" über die Metamorphosen an der Moldau erzählt und darüber, wie ihre zwei Lehrjahre in Pariser Studios hier auf fruchtbaren Boden fielen. Neue Wege beschreitet auch das Café: Verschwunden ist der alte Steinboden! Dahin sind die Thonet-Möbel! Wie weggeblasen ist das Aroma von Bohne & Bohemien! Jetzt stapeln sich an der Prager Kleinseite dekorative Austernschalen hinter einer verglasten Sideboardwand und Licht-Spots zaubern effektvoll den Schriftzug "Savoy" an die Wand. Barhocker im schlichten 90er-Jahre-Look bringen einen Hauch von Mailand an die Moldau.
Die Wandlung des "Savoy" und Erfolge wie jener der Klara Nademlynska kommen freilich nicht allein - schon gar nicht auf weiter Prager Altstadtflur. Die regelrechte Schwemme an verrückten Ideen, stilistischen Extravaganzen und trendigen Lokalen offenbart sich auch dem allerflüchtigsten Besucher auf Schritt und Tritt. Leicht unterkühlt, wie man es von den Schickeria-Biotopen zwischen Sydney und New York kennt, präsentieren sich Boutiquen, Restaurants und Clubs des neuen Prag hinter dem Judenviertel und südlich der Altstadt: Kenzo, Dior, Bugatti - alles da! Dazu Moët-Champagner auf langen, neon-gefluteten Tresen. In den Designerlokalen herrscht die obligate Verbeugung vor der beliebten Hormon-Farbpalette pastelliger Töne. So sehen angesagte Hütten wie das "Dynamo", das "Pravda" oder das "H2O" aus. Das Beste daran: Touristen verirren sich eher selten dorthin - im viel besuchten Prag ein eher rares Privileg.
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PragExpert-10 sagte vor 1 Jahr 40 Wochen:
Klar, dieser Text ist eine stilistisch gekonnt geschriebene Reportage. Aber: Mein Prag habe ich hier nicht wieder erkannt - ich habe dort 3 Jahre gelebt und bin dort noch immer fast wöchentlich unterwegs. Es ist aber auch schwer, eine Stadt in nur einem Text zu beschreiben. Ich habe aber auf einem Prag-Portal Artikel zu einzelnen Stadtteilen entdeckt, die die Atmosphäre und die Highlighst dort wiedergeben - allerdings auch nicht mit dem Fokus Sightseeing - hier die Links:
Prag 5:
http://www.citypilot.cz/de/info-kiosk/wohnen/prag-5-grossbuergertum-nebe...
Prag 7:
http://www.citypilot.cz/de/info-kiosk/wohnen/prag-7-nicht-nur-das-zentru...
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chrisTel sagte vor 3 Jahre 39 Wochen:
Der Club "Roxy" hat auch den Spitznamen "Toxy", weil hier Drogen gedealt werden...
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Jürgen-Rainer sagte vor 3 Jahre 40 Wochen:
Schade - dieser Artikel trifft nicht meinen Geschmack. Vielleicht bin ich zu 'konservativ', denn ich möchte in einer Stadt das historisch-kulturelle erleben und nicht in irgendwelchen 'Szene-Läden' oder '-Tanzlokalen' einkaufen und mich amüsieren - das entspricht auch nicht meinem Geldbeutel. Ansätze für eine Beschreibung nach meiner Art waren ja vorhanden.
Doch muss ich auch dazu sagen - ein Glück, dass es unterschiedliche Auffassungen und Meinungen gibt - anderen Lesern könnte diese Beschreibung von Prag gefallen.
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