
Autor:
Lutz Jäkel
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Keine Frage: Die Türkei boomt. Bettenburgen stehen an vielen Stränden. Unser Reporter Lutz Jäkel hat sich auf eine 4.000 Kilometer lange Suche nach den schönsten Küsten und Sehenswürdigkeiten im Hinterland zwischen Istanbul und Antalya gemacht. Sein Reisebericht verrät reizende Geheimtipps für Entschleunigung auf Türkisch.
Er hat recht. Ich fahre zu schwungvoll aus der Parklücke. Vielleicht zieht mich das quirlige Istanbul noch zu sehr mit.
„Yavasch Yavasch!“ - langsam, langsam! -, ruft der Parkwächter mit fuchtelnden Handbewegungen. Ich reiche ihm einen Obolus aus dem Fenster, auch dafür, dass er mich so erinnert, worum es bei dieser Reise gehen soll: Um Langsamkeit. Entschleunigung ist das Modewort stressgeplagter Gesellschaften. Der Parkwächter winkt und wünscht „Iyi Yolculuklar“, eine gute Reise.
Die Türkei als Urlaubsland lebt von herrlichen Stränden, türkisfarbenem Wasser, aufgeschlossenen Menschen und exzellenter Landesküche, aber auch von All-Inclusive-Urlaubern, Wummermusik und den überfüllten Strände an der gefühlt komplett massentouristisch erschlossenen Mittelmeerküste. Yavasch bedeutet nicht nur langsam, sondern auch still, sachte, leise. Genau danach suche ich. Genießen an Orten der Entschleunigung, übernachten in kleinen schmucken „Butik“-Hotels. Diese Yavasch-Türkei gibt es.
Sie beginnt zwei Stunden hinter Istanbul. Die Landschaft ändert ihr Bild rasch, der für die Region so berühmte Klatschmohn ist im Herbst längst verblüht, aber die gesamte Küste ist von typisch mediterraner Vegetation geprägt, von immergrünem dichtem Buschwald. Kurz hinter Tekirdag führt die Straße entlang der Küste, ich fahre durch ein Dorf, dessen Name Verheißung ist: Hoschköy, Glücksdorf.
Männer sitzen in den Cafés, die Schritte sind gemächlich, im Schatten dösen Hunde. Große Hotels gibt es an diesem Küstenstreifen keine, nur wenige Pensionen, aber überall winken Schilder an den „Lokantas“: „Taze balik var!“ Hier gibt’s frischen Fisch! Einige „Büfe“ und „Et ve Köfte Lokantasi“ werben für gegrillte Fleischspezialitäten.
Die Autofähre über die Meerenge der Dardanellen bringt mich nach Canakkale, an die sogenannte Olivenriviera. Die Oliven der türkischen Ägäis sind berühmt, die Türkei ist der fünftgrößte Olivenöl-Produzent der Welt. Onur, der Olivenbauer, erzählt: „Schon als Kind sagte meine Mutter immer zu mir: Nimm ein Stück Brot und kletter auf den Ölbaum. Mehr braucht es nicht.“ Ein spezieller Pilz soll es sein, der das besonders süße Aroma der Oliven hervorruft.
Er lässt die Oliven aber auch schrumpeln, für Olivenöl sind sie deswegen nicht mehr geeignet. Onur sagt: „Diesen Pilz haben nicht mal die Griechen.“ Das stimmt zwar nicht, denn Phoma oleae ist auch auf Griechenland bekannt, aber daran denkt man nicht, wenn man bei einem Gläschen Wein süße Oliven nascht.
Das sagenumwoben Troja, dessen wichtige Funktion schon immer die Kontrolle der Dardanellen war, ist die nächste Station – viel ist nicht zu sehen, viele Besucher wirken etwas enttäuscht. Auch von Alexandria Troas, der einst wichtigen römischen Hafenstadt, sind nur noch spärliche Reste zu sehen. Es war mal die Stadt, die Kaiser Konstantin fast zur Hauptstadt des öströmischen Reiches gekürt hätte. Er hatte sich schließlich für das heutige Istanbul entschieden.
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ReiseFreak (nicht überprüft) sagte vor 10 Wochen 1 Tag:
Gratuliere zu dieser eindrucksvollen Reisebeschreibung! Seit 1980 bereise ich die Türkei und habe 2 Reisebücher von meinen Exkursionen geschrieben (eine davon ca. 1/2 Jahr).
Viel Spaß beim Reisen weiterhin!
ReiseFreak.de
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