
Autor:
Frank Tophoven
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48 Std. am Bosporus
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Die Multimillionen-Metropole am Bosporus pendelt zwischen 1001 Nacht und versmogter Realität, zwischen Europa und Asien. Am heftigsten im Künstlerviertel Beyoglu! Und dorthin entführt Sie dieser Bericht...
Smog, Hektik und Verkehrschaos. Istanbul, du schaffst mich, bist ein Krake, der alles verschlingt und an seinen eigenen Ausdünstungen fast erstickt. Aber zum Glück besteht Istanbul, wie eigentlich alle großen Städte, aus einer Unzahl größerer und kleinerer Dörfer. Und mein liebstes heißt Beyoglu, das Dorf der Künstler, Lebenskünstler und Musiker. Eine Passage führt mich von der Straße ins "Little Wing Cafe". Zwischen der Einrichtung wie vom Trödelmarkt steht Esra, die Besitzerin, und lächelt.
In diesem Laden lerne ich Ali kennen, einen Gitarristen und Flamenco-Fan. Und Özgür, Flamenco-Fan und Arzt. Ali zupft, streichelt und prügelt die Gitarre und Özgür singt, schreit und jammert, dass wahren Gitanos die Tränen kämen. Esra bläst das Didgeridoo und schlägt die Tabla - Europa trifft Asien und Australien. Esra strahlt: "World Music!"
Nicht nur musikalisch erwacht im alten Stadtteil Beyoglu ein neues, weltoffenes Istanbul. Überall werden Häuser restauriert, eröffnen Lokale, Läden, Galerien. Zur Zeit der Osmanen befahlen die Herrscher den Ungläubigen, in Beyoglu zu wohnen. Seitdem verbieten weder Jehova noch Allah in diesem Viertel das Denken und Beyoglu wurde zum Zentrum der Intellektuellen Istanbuls. Verleger ließen sich nieder, Fernsehsender und Werbeleute. Das Galata-Viertel ist ein Musikparadies mit Instrumentenwerkstätten, Geschäften, Studios. Und hinter dem Galatasaray Hamami, einem traditionsreichen "Türkischen Bad", das einen Besuch lohnt, drängen sich Antiquitätenhändler, säumen Läden für Altes, Wertvolles und Kitsch die Gassen.
Im ewig jungen Beyoglu ist das Restaurant "Yakup 2" eine Institution. Fuat, Musiker und eine bekannte Größe in der Türkei, hebt das Raki-Glas und zeigt auf die von Porträts übersäte Wand: "Alles wichtige Menschen, Künstler. Viele von ihnen sind schon tot und fehlen uns sehr. Und die meisten waren Stammgäste." Auch Fuats Freund Nedret, Kunstprofessor und Maler, hebt sein Raki-Glas und trinkt auf alle großen Künstler. "Nedret ist schon lange so erfolgreich, dass wir seine Bilder gar nicht mehr bezahlen können", so Fuat. Im vergangenen Jahr hat Nedret den Park hinter seiner Uni entdeckt. Auf großen Ölgemälden zeigt er Szenen aus dem Park.
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