
Autor:
Frank Tophoven
InsiderTipps
Wer die lykische Küste vom Meer aus erlebt, erkennt sie nicht wieder: Mit ihren Felsen ist sie so unwegsam, dass viele Orte von Land aus kaum zu erreichen sind. Bei einem Segeltörn ankert man in herrlichen Buchten und klettert hinauf zu Wehrmauern und Ausblicken über der tiefblauen Ägäis. Lesen Sie unseren Reisebericht.
Jetzt auf einer Yacht sitzen und unter vollen Segeln über das blaue Meer gleiten! Aber noch sitze ich auf den Zinnen einer Wehrmauer, über der einstigen lykischen Stadt Simena.
Unter mir Felsen, ein kleines Theater ist in den Stein gehauen. Zwei junge Frauen mit braunen Beinen unter kurzen Röcken klettern ungeschickt bergauf. Ein türkisches Mädchen, barfuß und mit einem Korb voller bestickter Tücher, rennt lachend vorweg: „Come this way!“
Was noch taugte von dem antiken Gestein, haben Bauern und Fischer schon vor Generationen recycelt. So entstand Kale Köy, das „Burgdorf“. Weder Straße noch Piste führen her, nur mit Ausflugsschiffen kommen Tagesbesucher. Wenn die wieder weg sind, legt sich die Ruhe wie ein blaues Tuch über die wenigen Bauernhäuser, einfachen Pensionen und Restaurants am Golf von Kekova.
Draußen ziehen Gulets mit weißen Segeln ihre Bahnen. Auf so einem aus Holz gebauten zweimastigen Motorsegler will ich sein. Die Möwen sollen schreien und der Wind soll mir ins Gesicht wehen.
Aber erst mal werde ich klein anfangen. Im nahen Kas ruht ein tonnenschwerer lykischer Sarkophag seit gut 2.000 Jahren auf einem Felssockel. Dahinter beginnt eine kurze Einkaufsstraße. Wer gewebte Kelims sucht oder eine der großen Nargiles (Wasserpfeifen), der ist hier richtig. Oder wer nicht glauben mag, dass man von Holland aus in die Türkei paddeln kann. Ja, paddeln. Gökhan hat das gemacht.
Das Abenteuer publizierte er im türkischen „Atlas-Magazin“. Weil man davon nicht lange leben kann, betreibt Gökhan nun mit Partner ein Büro in dieser Straße und macht einem den Mund wässrig. Tauchausflüge in eine bunte, fremde Welt, Wanderungen an der lykischen Küste. Und Seekajaktouren. Wir verabreden uns für den nächsten Tag.
Für die Nacht fahre ich zurück an den Golf von Kekova. Eine sich längst wieder im Auflösungsprozess befindliche Straße führt von Kas durch die schroffe bergige Landschaft. Ackerbau, ein paar Treibhäuser zwischen sehr traditionellen Bauerndörfern. „Die Dörfer hier waren schon immer sehr abgelegen“, erzählt Jacqueline. „Vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs haben die Menschen erst nach einem halben Jahr und nur durch Zufall erfahren.“
Von der letzten Anhöhe blicke ich auf das Dorf Ücagiz am Ufer einer Bucht. Hier haben sich Jacqueline und Onur kennengelernt. Onur hatte ein Restaurant und die Holländerin Jacqueline Urlaub. Jacqueline blieb. Nun hat das Paar einen Hund, zwei Kinder und zum Restaurant noch eine Pension und jede Menge Stammgäste.
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