
Autor:
Frank Tophoven
InsiderTipps
Wer die lykische Küste vom Meer aus erlebt, erkennt sie nicht wieder: Mit ihren Felsen ist sie so unwegsam, dass viele Orte von Land aus kaum zu erreichen sind. Bei einem Segeltörn ankert man in herrlichen Buchten und klettert hinauf zu Wehrmauern und Ausblicken über der tiefblauen Ägäis. Lesen Sie unseren Reisebericht.
Nach Kale Köy, dem „Burgdorf“, führen weder Straße noch Piste. Nur mit Ausflugsschiffen kommen Tagesbesucher. Wenn die wieder weg sind, legt sich die Ruhe wie ein blaues Tuch über die wenigen Bauernhäuser, einfachen Pensionen und Restaurants am Golf von Kekova. Draußen ziehen Gulets mit weißen Segeln ihre Bahnen. Auf so einem aus Holz gebauten zweimastigen Motorsegler werde ich bald reisen.
Aber erst mal werde ich klein anfangen. Im nahen Kas ruht ein tonnenschwerer lykischer Sarkophag seit gut 2.000 Jahren auf einem Felssockel. Dahinter beginnt eine kurze Einkaufsstraße. Wer gewebte Kelims sucht oder eine der großen Nargiles (Wasserpfeifen), der ist hier richtig. Oder wer nicht glauben mag, dass man von Holland aus in die Türkei paddeln kann. Ja, paddeln. Gökhan hat das gemacht. Das Abenteuer publizierte er im türkischen „Atlas-Magazin“. Weil man davon nicht lange leben kann, verkauft Gökhan nun Seekajaktouren.
Punkt neun am nächsten Morgen erscheinen Gökhan und in seinem Gefolge ein türkisches und ein australisches Paar. Wer schwimmen kann und ein Kajak ins Wasser heben, der kann es auch paddeln. Seekajaks sind schlank und lang und unter starken Schultern können sie sehr schnell werden. Gemächlich treiben wir die Küstenfelsen entlang. „Jetzt mal zügig“, ruft Gökhan, als wir zur Insel Kekova übersetzen, denn er will keinem der großen Schiffe in die Quere kommen.
Flach unter unseren Kajaks tanzen Lichtreflexe auf antiken Mauern. Seit der Antike hat sich das Land gesenkt und für ein türkisches Atlantis gesorgt. Treppen führen aus dem Meer die Felsen hinauf, Zisternen, Häuser über und unter Wasser. Gökhan weiß, dass die Wurzeln der Stadt bis ins 4. Jahrhundert vor Christus zurückreichen.
Picknick auf einem Eiland. Oliven und Brot unter einer Akazie, wir liegen im Schatten und dösen, bis uns Gökhan weiter zum Kiesstrand von Sicak treibt. Daneben ein einfaches, spektakuläres Restaurant. Einfach, weil es lediglich aus einem wackeligen Haus und einer Betonterrasse besteht. Und spektakulär, weil man es nur mit einem Boot oder einem langen Fußmarsch erreichen kann.
Die Holzkohle glüht schon unter dem Grill. Gökhan aber scheucht uns eine Anhöhe empor, verdammt heiß zur Mittagszeit, und auf der anderen Seite wieder runter zu den Ruinen der Stadt Aperlai. Römische Stadtmauern, byzantinische Wohnhäuser.
Als würden saure Bizepse und Schultern nicht reichen, weist Gökhan grinsend auf einen steilen Pfad: „Dort hinauf geht es zur Akropolis!“ Doch Gökhan kommt der drohenden Meuterei zuvor und überrascht mit einem originellen Ruinenbummel. Er schickt uns ins laue Wasser und wir treiben schwimmend durch die Antike. Steinerne Särge im Wasser und dorische Mauern zwischen wuchernden Sträuchern am Hang. Dann gibt es Fisch vom Grill und eine faule Fahrt zurück nach Ücagiz.
Kleine Segel werden auf den Kajaks montiert, der Wind treibt uns durch die Bucht. Gökhan erzählt von Fahrradtouren durch den wilden Osten der Türkei, die Türken turteln verliebt und die Australier paddeln heimlich, um schneller als der Rest zu sein.
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