
Autor:
Markus Kampp
InsiderTipps
Neben Zeugnissen der alten Seidenstraße hat uns vor allem der Personenkult um Führer Saparmurat Nijasow beeindruckt. Der als Turkmenbaschi bekannte Diktator ist zwar bereits verstorben, sein Einfluss auf das Land nimmt aber erst allmählich ab. Ein zeitloser Klassiker hingegen bleibt der Spezialdrink Kamelmilch mit Champagner. Darauf und auf die vielen Reisetipps unserer Reporter: „Nastrovje!“
Ganz ehrlich: Es gab kaum einen unserer Freunde und Bekannten, der bei „Aschgabat“ nicht mit den Schultern gezuckt und den Kopf geschüttelt hätte. Bei einigen erhellte sich die Miene bei „Turkmenistan“, doch mehr war da auch nicht. Jetzt aber sind wir in der Hauptstadt, überstehen die strenge turkmenische Einreisekontrolle, zahlen freundlich lächelnd insgesamt knapp 50 US-Dollar an diversen Schaltern aus diversen Gründen. Und betreten hernach gespannt die Ankunftshalle des Flughafens.
Dort steht Anna. Enorm groß, korpulent, Anfang 30 und außerordentlich nett. Sie ist Russin, obwohl in Aschgabat geboren. Gemeinsam mit Damir, ihrem Freund und unserem Fahrer, wird sie uns Turkmenistan zeigen. Außerdem hat Anna in ein paar Minuten Geburtstag. Es ist zehn vor zwölf.
Der Airport liegt direkt an der Stadtgrenze und wir durchqueren eine ausgestorbene Stadt. Fast alle Straßen sind beleuchtet, an den Rändern ragen dunkle Monolithe in den pechschwarzen Himmel. Außer den Polizisten, die an jeder Straßenecke stehen, ist kein Mensch mehr unterwegs. Wir kommen im Hotel „Nisa“ unter, mit gutem westlichen Standard und sogar einem Pool. Wir sind überhaupt nicht müde und kehren noch neugierig in die Hotel-Disko im Keller ein. Dort treffen zwei Touristen, also wir, und einige turkmenische Geschäftsleute auf Heerscharen kurz berockter Damen, die im Minutentakt aufs Klo rennen. Die Damen sind sehr zurückhaltend – nur zu lange anschauen darf man sie nicht, das verstehen sie als ein Zeichen für Gesprächsbedarf oder mehr.
Wir lernen auch einen Herrn kennen, der sich George nennt, bei ihm können wir Geld wechseln. Er gibt uns eine Visitenkarte, auf der eine Telefonnummer steht, sonst nichts. Wir tauschen 50 Euro und sind Manat-Millionäre.
Der nächste Tag beginnt mit einem guten italienischen Kaffee. Und damit, dass Anna zum ersten Mal „Darf man nicht“ sagt, als Fotograf Thomas Linkel ein Gebäude fotografieren will. Außerdem weist sie uns darauf hin, dass man zum Essen auf keinen Fall Wasser trinken darf. Das Fleisch sei sehr fett, dazu passe nur grüner Tee oder Wodka. Aha!
Wir betreten die Ertogul-Gazi-Moschee. Sie ist ein Geschenk des türkischen Volks an das turkmenische, erbaut im Jahr 1998. Die beiden Völker führen ihre Abstammung auf Oghus Khan zurück, das verbindet.
Die Moschee ist ein wenig steril, aber eine wunderschöne Nachbildung der Blauen Moschee in Istanbul, allerdings mit nur vier anstatt sechs Minaretten. Der riesige Teppich im Gebetsraum hat eingewebte Gebetsplätze; so weiß jeder, wie breit er sich beim Beten machen darf.
Damir fährt uns durch die Stadt. Breite Straßen, überall Polizei und Militär, wenige Fußgänger und sehr sauber, das ist Aschgabat. An jeder Ecke wird gebaut, das meiste in diesem Zuckerbäckerstil, den man eigentlich nur noch aus Legoland oder Las Vegas kennt. Alles sieht ein wenig aus wie das „Caesar’s Palace“. Die Gebäude sind eckig, stehen meist an Alleen und sind den sogenannten Eliten, den Staatsbediensteten, Ausländern und Beschäftigten der Erdgasindustrie, vorbehalten. Dazwischen ist überall der staubige Boden der Wüste zu erkennen, da hilft auch alles Bewässern der wenigen Pflanzen nichts.
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